Roachs Weltsicht
Die Kräne von Dubai

Der Anblick der Kräne von Dubai lässt mich nicht mehr los. Weltweit sind derzeit etwa 125 000 Baukräne im Einsatz. Und davon stehen rund 15 bis 25 Prozent in Dubai, berichten Bauexperten. Der von Dubai angeführte Bauboom in der Golfregion ist keine isolierte Entwicklung.

DÜSSELDORF. Entweder haben wir es in Dubai mit einer spekulativen Immobilienblase von monumentalen Ausmaßen zu tun, oder die Baugeräte sind ein Wahrzeichen für den neuen Nahen Osten. Beide Möglichkeiten – oder deren Kombination – könnten tief greifende Folgen für die globalen Finanzmärkte und die Weltwirtschaft haben.

Übertriebene Spekulation oder nicht: Der von Dubai angeführte Bauboom in der Golfregion ist keine isolierte Entwicklung. In der gesamten Region wird der Aufschwung begleitet von ausgedehnten Infrastrukturprojekten, einem schnell zunehmenden Engagement für Bildung und Medizin, erhöhter Industrialisierung sowie einem wachsenden Binnenkapitalmarkt. Diese Trends stehen sinnbildlich für eine neue und wichtige Entwicklung im Nahen Osten. Sie unterscheidet die derzeitige Periode erhöhter Rohölpreise von den Ölschocks der Vergangenheit: Es ist ein massives Drängen auf die eigene, innere Entwicklung zu erkennen.

Ein derartiger „Dubai-Faktor“ hatte in den beiden Ölschocks der siebziger Jahre oder bei dem kurzen Anstieg der Rohölpreise 1990 einfach nicht existiert. Da es keine Verpflichtung für Ausgaben im Inland gab, flossen die erhöhten Einnahmen aus dem Rohöl im Handumdrehen wieder ab. Sie wurden auf den globalen Finanzmärkten reinvestiert, vorzugsweise in Dollar-Anlagen. Dieses Recycling von Petro-Dollar wurde schnell zum Synonym für den Ölschock.

Dieses Mal ist der Schock anders. Vor allem stellt er die allgemein verbreitete Ansicht in Frage, dass hohe Rohölpreise eine natürliche Nachfrage nach Dollar-Anlagen schaffen. In einem Umfeld, in dem das Dollar-Risiko ein Problem bleibt, könnte das ein besonders wichtiger Punkt in der Währungsdebatte werden.

Diese Möglichkeit sollte nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Denn gerade Dubai unterstreicht den maßgeblichen Unterschied zwischen damals und heute. Selbst wenn das Ganze sich als spekulative Blase herausstellen sollte, wird es meiner Ansicht nach für den neuen Nahen Osten kein Zurück mehr geben.

gastautor@handelsblatt.com

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