Roachs Weltsicht
Die Rückkehr alter Fehler

Das amerikanische Smoot-Hawley-Zollgesetz von 1930 war ein politischer Fehler von monumentalen Ausmaßen, der eine Schlüsselrolle dabei gespielt hat, einen globalen Handelskrieg und die Große Depression auszulösen. Gut 77 Jahre später scheint sich der Fehler zu wiederholen. Doch dieses Mal geht es um „Bedrohung aus China“.

Als ich sah, welcher Name unter dem Foto stand, lief es mir eiskalt den Rücken hinunter: „Reed Smoot, Republikaner aus Utah, Vorsitzender des Finanzausschusses im Senat, 1923-33.“ Zusammen mit den Porträts anderer ehemaliger Vorsitzender hängt sein Konterfei im Vorzimmer zur Anhörungskammer des Finanzausschusses im US-Senat auf dem Capitol Hill.

Die förmliche, steife Pose des gediegenen Senators mit dem Schnauzbart war das Letzte, was ich sah, bevor ich am 28. März den Anhörungsraum betrat, um vor dem Finanzausschuss zur Währungspolitik zwischen den USA und China auszusagen.

Es war dieser Politiker aus Utah, der Pate stand für das berüchtigte Smoot-Hawley-Zollgesetz von 1930 – einen politischen Fehler von monumentalen Ausmaßen, der eine Schlüsselrolle dabei gespielt hat, einen globalen Handelskrieg und die Große Depression auszulösen. Gut 77 Jahre später war Smoots Geist sehr deutlich zu spüren, als das Senatsgremium zusammenkam, um über die „Bedrohung aus China“ zu debattieren.

Ich bin jetzt überzeugt, dass Handelssanktionen gegen China nun unvermeidlich sind. Die Unterstützung dafür geht tief und schließt beide Parteien ein. Und nach Meinung von Beobachtern ist das Lager der Unterstützer scheinbar groß genug, um gegen ein Veto zu bestehen, sollte Präsident Bush Einwände erheben. Ein Entwurf für ein protektionistisches Handels- oder Währungsgesetz, so vermute ich, könnte bis zum Ende dieses Jahres rechtskräftig werden.

Leider bin ich von dieser Wendung der Ereignisse nicht allzu überrascht. In den vergangenen Jahren habe ich immer wieder vor der wachsenden Gefahr eines Gegenschlags gegen die Globalisierung gewarnt. Ironischerweise spielt sich das alles vor dem Hintergrund einer US-Arbeitslosenquote ab, die sich um ihr zyklisches Tief von 4,5 Prozent herum bewegt. Da sich aber das Risiko einer konjunkturellen Abwärtsbewegung täglich verstärkt, kann die Arbeitslosenquote nur noch steigen – eine Entwicklung, die den Protektionismus noch mehr anstachelt.

Am Ende der zweistündigen, Befragung war ich erschöpft. Ich hätte schwören können, dass Reed Smoot mir zugezwinkert hat, als ich den Anhörungsraum verlassen habe und in den warmen Washingtoner Sonnenschein hinausgewankt bin.

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