Roachs Weltsicht
Falsche Hoffnungen

Nach dem jüngsten Treffen der Finanzminister und Notenbankchefs der G7-Länder sind alle Augen auf die Währungen gerichtet. Der Disput zwischen den USA und China war in den vergangenen Jahren dadurch gekennzeichnet, dass die chinesische Währung zum politischen Thema hochstilisiert worden ist.

DÜSSELDORF. Die Klagen Europas über den Yen sind etwas anders gelagert. Für die immer noch schleppend voranschreitende europäische Wirtschaft ist jeder währungsbedingte Druck auf seine externen Wachstumsquellen ein großes Problem. Die jüngste Schwäche des Yen wird in diesem Zusammenhang als zunehmende Bedrohung empfunden.

Den politisch Verantwortlichen stellt sich die Frage, ob eine „Währungskorrektur“ – vor allem das Drängen auf eine Stärkung von Renminbi und Yen – im besten Interesse der Welt ist. Die Debatte geht aber möglicherweise nicht auf das ein, was unterschwellig die wirkliche Auseinandersetzung prägt. Hier geht es nämlich darum, ob Währungsanpassungen die innenpolitischen Bedenken wegen der Globalisierung, die jetzt in Amerika und Europa zu Tage treten, zurückdrängen können. Die Antwort ist meiner Meinung nach ein eindeutiges Nein.

Im Falle der USA ist das übermäßige bilaterale Ungleichgewicht ein Symptom eines viel größeren Problems: Nie zuvor wurde im Inland so wenig gespart. Fehlende Ersparnisse schaffen eine inhärente Neigung zu chronischen Handelsbilanzdefiziten. China passt allzu schön in diese Gleichung. Ich glaube nicht, dass ein stärkerer Renminbi die Amerikaner dazu bringt, mehr zu sparen.

Genauso wenig sollte Europa auf eine Anpassung des Yen setzen, um damit sein notwendiges Wachstum abzusichern. Schon allein deswegen nicht, weil Japan bei weitem nicht der wichtigste Handelspartner Europas ist. Daher ist es keinesfalls ausgemacht, dass eine Aufwertung des Yen einen fühlbaren Einfluss auf das Wachstum in Europa haben würde.

In einer globalen Wirtschaft mit ihren großen Ungleichgewichten bei den Ersparnissen und im strukturellen Wettbewerb wird die Resonanz auf eine politisch zweckdienliche Währungskorrektur vermutlich immer hohler klingen. Die Welt muss sich viel mehr anstrengen, um mit den Belastungen der Globalisierung fertig zu werden.

gastautor@handelsblatt.com

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