Roachs Weltsicht
Globale Werte?

Auf meinen jüngsten Reisen habe ich Japan, Südafrika, den Nahen Osten, Singapur, Hongkong, China und Australien besucht. Einiges von dem, was ich dort erfahren habe, erscheint mir äußerst wichtig.

Im Nahen Osten sind die weit verzweigten Aspekte des gegenwärtigen Ölschocks im Vergleich zu früheren unverkennbar. In weniger als 35 Jahren haben sich die Erdöl produzierenden Staaten der Golfregion von Kapitalexporteuren zu Kapitalnutzern entwickelt. Groß angelegte Entwicklungsprogramme finden in den neuen urbanen Zentren von Dubai, Doha und Bahrain ihren spektakulären Ausdruck. Das Geld wird jetzt in Sachwerte investiert und fließt nicht mehr länger in Dollar-Finanzanlagen zurück.

In Südafrika war ich überrascht darüber, wie ausgeprägt die gegen China gerichtete Stimmung ist. Viele Südafrikaner sind schnell dabei, die Konkurrenz aus China für den Niedergang der einst blühenden Textilindustrie verantwortlich zu machen. In dem von Dürre heimgesuchten Australien richtet sich das Augenmerk auf die Auswirkungen des Klimawandels. Dagegen ist man im exportabhängigen Asien überzeugt, dass eine Neuausrichtung des Gleichgewichts zugunsten des Verbrauchers dringend notwendig ist.

Je öfter ich um die Welt reise, desto weniger bin ich davon überzeugt, dass unsere „Win-Win“-Theorien zur Globalisierung richtig sind. Und ich glaube nicht, dass wir den Fortschritt messen sollten, indem wir uns auf die quantitativen Maßzahlen über steigende, grenzüberschreitende Handelsströme, Kapital und Information fixieren. Letztendlich geht es bei der Globalisierung ja eher um die Integration von gemeinsamen Wertvorstellungen einer immer noch sehr von Unterschieden geprägten Welt. Eine erfolgreiche Globalisierung bedarf eines weltumspannenden Mechanismus zur Konfliktlösung – das haben auch die schmerzlichen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts gezeigt.

Während meiner Weltreise in diesem Herbst war ich von den Erfolgen wie auch von den Fehlschlägen der momentanen Globalisierungsanstrengung beeindruckt. Aber ich war auch überrascht davon, wie hartnäckig man am Heimischen festhält.

Es ist einfach, sich für die Globalisierung mit Worten stark zu machen. Viel schwerer ist es, den Worten auch Taten folgen zu lassen. Das ist die Lektion, die mich am tiefsten getroffen hat.

gastautor@handelsblatt.com

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