Roachs Weltsicht
Jenseits von Doha

Dem offensichtlichen Scheitern der Doha-Runde zur Liberalisierung des Welthandels ist zu viel Bedeutung beigemessen worden. Der Misserfolg bedeutet nicht das Ende der Globalisierung. Und er signalisiert auch keine unmittelbare Bedrohung für die Expansion des grenzüberschreitenden Handels.

Letztendlich kommt es viel stärker auf die Dynamik des globalen Handels an als auf einen Durchbruch bei multilateralen Verhandlungen. Fast fünf Jahre lang war dem Doha-Programm wiederholt erbitterter Widerstand entgegengebracht worden. Trotzdem besteht kein Zweifel, dass der Welthandel im gleichen Zeitraum kräftig gestiegen ist. Das Verhältnis der Exporte zum weltweiten Bruttoinlandsprodukt (BIP) kletterte von 24,1 Prozent 2001 um 4,0 Prozentpunkte auf 28,1 Prozent im Jahr 2005. Das ist der stärkste Zuwachs innerhalb von vier Jahren seit Anfang der siebziger Jahre.

Anders ausgedrückt: Die Steigerung der globalen Ausfuhren ist für satte 40 Prozent des kumulativen Zuwachses beim weltweiten BIP in den vergangenen vier Jahren verantwortlich.

Das bedeutet, dass die weltweiten Handelshürden möglicherweise bereits niedrig genug sind. Zusätzlich wirkt das äußerst schnelle Tempo einer von der Informationstechnologie getragenen, weltweiten Vernetzung als wichtiger neuer Katalysator. Sie gibt multinationalen Unternehmen neue Optionen an die Hand, um mit dem intensiver werdenden Wettbewerbsdruck fertig zu werden. Ja, das Internet hat die grenzüberschreitende Logistik der Preisfindung und des Managements der Lieferkette im verarbeitenden Gewerbe revolutioniert. Und die Veränderung bedeutet im Kern, dass das Internet auch die auf Wissen basierende Erbringung einst nicht handelbarer Dienstleistungen in handelbare Aktivitäten umgewandelt hat.

Ein Durchbruch in der Doha-Runde – besonders in der verwässerten Version, die die Unterhändler zum Schluss im Sinn hatten – wäre verblasst im Vergleich zu den machtvollen organischen Entwicklungen, die jetzt den grenzüberschreitenden Handel von Waren und Dienstleistungen in einer von der Informationstechnologie dominierten Weltwirtschaft vorantreiben.

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