Roachs Weltsicht
Jetzt ist China dran

Die Krise um den Langstreckenraketen-Test Nordkoreas erinnert erneut daran, wie zerbrechlich das weltweite Kräfteverhältnis nach dem 11. September 2001 immer noch ist. Die Lösung des Problems liegt allein darin, das Land in Schach zu halten.

Dabei ginge von einem Einbruch der nordkoreanischen Wirtschaft kaum ein Risiko aus. Nach Schätzungen des US-Geheimdienstes CIA beträgt das Bruttoinlandsprodukt Nordkoreas auf Basis der Kaufkraftparität etwa 40 Mrd. Dollar. Das sind weniger als fünf Prozent der Gesamtproduktion Südkoreas. Selbst wenn dem Land extreme Sanktionen auferlegt würden, ist die Volkswirtschaft viel zu klein, als dass ein solcher Schritt Auswirkungen auf die Weltwirtschaft hätte.

Die eigentliche Frage ist, ob der Rest der Welt beim Umgang mit Nordkorea zusammensteht oder auseinander fällt. Die Rolle Chinas ist in dieser Hinsicht entscheidend. Vor dem Ende der siebziger Jahre war China Allianzen weitgehend auf der Grundlage seiner Ideologie getriebenen, politischen Absichten eingegangen. Seit sich China der Öffnung nach außen durch aggressive Reformen verschrieben hat, schmiedet das Land seine Beziehungen zum Ausland vorwiegend auf wirtschaftlicher Basis.

Die Globalisierung kann nur gelingen, wenn sie in wirtschaftlicher, politischer und militärischer Hinsicht funktioniert. Kim Jong Il stellt eine weitere Gefahr für eine Welt dar, die nach dem 11. September 2001 ohnehin schon verletzbar geworden ist. Wenn seine Bedrohung glaubhaft ist oder wenn er erfolgreich einen Keil zwischen die mächtigen Allianzen der Globalisierung treiben kann, dann könnten die Weltwirtschaft und die globalen Finanzmärkte beträchtlichen Schaden erleiden. Ich glaube nicht, dass dieser Fall eintreten wird.

Die Ironie an der nordkoreanischen Raketenepisode ist, dass sie China dazu zwingt, die eigene Verpflichtung zur Globalisierung sorgfältiger und bewusster zu überdenken. Es ist zwar eine unbequeme, letztendlich aber doch konstruktive Gelegenheit für die politische Führung Chinas, einen weiteren wichtigen Schritt als eine führende Weltmacht zu machen. Ich glaube, dass China den günstigen Augenblick wahrnehmen wird. Unabsichtlich gerät Kim so in die Rolle eines maßgeblichen Globalisierungsbefürworters.

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