Roachs Weltsicht
Keine Doppelmoral

In letzter Minute waren die Unterhändler des Freihandelsabkommens zwischen Korea und den USA doch noch erfolgreich. Wie passt die in Handelskreisen kurz Korus FTA genannte Übereinkunft in die breitere Globalisierungsdebatte? Und wie stehen die Chancen, dass sie der US-Kongress verabschiedet?

Oberflächlich betrachtet holt das Abkommen weit aus, um Handelsbarrieren zwischen der größten und der elftgrößten Volkwirtschaft der Welt abzubauen. Was will man mehr? Die Antwort lautet kurz: Arbeit. Besonders die wachsende Mittelschicht fühlt sich von den esoterischen Theorien des Globalisierungsmantras, demzufolge es nur Gewinner gibt, entrechtet und entfremdet.

Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: Da ein Abkommen nach dem anderen geschlossen wird, liegt der weltweite Handel bei nie zuvor verzeichneten 31 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts. Wachsender Handel und ein sinkender Anteil des Arbeitseinkommens ergeben eine gefährliche Kombination. Das ist auch den Politikern nicht entgangen. Im Besonderen trifft das auf Washington zu, wo der parteienübergreifende Gegenschlag gegen die Globalisierung vehementer als je zuvor geführt wird; die Politiker haben den Handel als Hauptquelle des Drucks auf die belagerten Arbeitnehmer ausgemacht. Deshalb besteht das Risiko, dass das Korus-Abkommen nur als ein weiteres Element in einer langen Reihe von Übereinkünften mit Ländern angesehen wird, die bei den Handelsflüssen mit den USA bereits die Oberhand haben.

Letztlich fällt es mir schwer zu glauben, dass dieselbe überwältigende Mehrheit von US-Politikern, der es todernst mit einem Vorgehen gegen China ist, plötzlich eine Kehrtwendung machen und ein Handelsabkommen mit Korea begrüßen wird. Ich sehe ganz einfach keinen Spielraum für eine Doppelmoral. Die bevorstehende Debatte über das Abkommen mit Korea könnte zum Lackmustest für die neue, harte Mentalität des Kongresses in der Handelspolitik geraten.

Falls die Übereinkunft ohne Umschweife gebilligt wird, werden sich meine Befürchtungen über ein verstärktes Ausbrechen von Protektionismus als falsch erwiesen haben. Falls dieses Abkommen aber vom Kongress hinausgezögert wird, werden die USA einen weiteren Schritt auf einer sehr schiefen Bahn getan haben.

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