Roachs Weltsicht
Kraftvolle Schockwellen

Die beiden lateinischen Wörter ceteris paribus bilden möglicherweise den gefährlichsten Terminus im sprachlichen Werkzeugkasten eines Ökonomen. Frei übersetzt mit „unter sonst gleichen Bedingungen“, dient der Begriff als Vorlage für die Analyse des partiellen Gleichgewichts.

Da nun aber die Rohölpreise steigen, der Immobilienzyklus den Wendepunkt erreicht und die Zentralbanken einen restriktiveren Kurs verfolgen, war die Annahme des partiellen Gleichgewichts nie fragwürdiger.

Das gilt vor allem dann, wenn man das Konzept auf den amerikanischen Verbraucher anwendet – derzeit der in der Weltwirtschaft am stärksten belastete. Die Konsumenten sehen sich weit größeren Herausforderungen gegenüber als nur den erhöhten Energiekosten. Denn der Immobilienmarkt kippt, gleichzeitig nehmen die Verpflichtungen der Haushalte mit nur geringen Ersparnissen für den Schuldendienst bei den Hypothekenfinanzierungen zu. Wenn der amerikanische Verbraucher letztendlich einknickt, gehe ich zudem davon aus, dass die Investitionsausgaben der Unternehmen – die von vielen Experten als nächste Quelle für die konjunkturelle Erholung gesehen werden – dem ganz schnell folgen werden.

Auch aus globaler Sicht wird die Relevanz der Theorie des partiellen Gleichgewichts angefochten. Eine aus dem Gleichgewicht geratene Weltwirtschaft hängt immer noch stark vom amerikanischen Verbraucher ab. Falls der US-Konsum schwindet, würden die mexikanischen und chinesischen Produzenten rasch denselben Weg einschlagen.

Ein konstruktiver Versuch, die Weltwirtschaft neu auszutarieren, ist damit ernsthaft gefährdet. Ich bin zwar immer noch guten Mutes, dass sich die Finanzminister der G7-Länder, der IWF und die führenden Zentralbanken der Welt weiter auf die Risiken steigender Ungleichgewichte konzentrieren. Gleichzeitig war ich schon immer der Ansicht, dass es einige Zeit dauert, eine neue Balance herzustellen. Fürs Erste aber bleibt eine Welt im Ungleichgewicht höchst anfällig für Erschütterungen. Und wie es das Schicksal so will, fließen gerade drei möglicherweise kraftvolle Schockwellen – Öl, Immobilien und das Anziehen der Kreditzügel durch die Fed – ineinander. Dies ist nicht der richtige Zeitpunkt, sich im Vertrauen auf ceteris paribus in falscher Sicherheit zu wiegen.

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