Roachs Weltsicht
Nahe am Handelskrieg

Die Spannungen in den Handelsbeziehungen zwischen China und den USA zeigen wie in einem Mikrokosmos, was bei der Globalisierung falsch läuft. Keine der beiden Seiten setzt sich mit den vielfältigen weltweiten Auswirkungen ihrer wirtschaftlichen Bestrebungen auseinander.

Der übermäßige Konsum in Amerika belastet den Rest der Welt in enormem Ausmaß, genau wie die überschüssige Produktion in China. Wie uns die Geschichte auf schmerzhafte Weise gezeigt hat, können bilaterale Absprachen nicht einer multilateralen Welt übergestülpt werden. Volkswirtschaften, die sich selbst auf einer bilateralen Basis verteidigen, ignorieren die dunkelsten Lektionen der Geschichte.

Lassen Sie mich drei grundlegende Leitlinien vorschlagen, um die Beziehung zwischen den USA und China wieder auf den richtigen Weg zu bringen. Erstens: Geben wir zu, dass wir ein Problem haben. Wir „verdanken“ es der Globalisierung, dass sich in den Industrieländern die Verdrängung der Arbeiter und der Lohndruck mittlerweile in beispiellosen Dimensionen bewegen. Die reichen Volkswirtschaften sind gezwungen zu reagieren, indem sie in die Weiterbildung der Erwerbstätigen, in Bildungsreformen und Grundlagenforschung investieren.

Zweitens: Die Entwicklungsländer sind einzubeziehen. Dazu muss die in der Doha-Runde diskutierte Handelsliberalisierung zum Abschluss gebracht werden, gleichzeitig aber der Schutz des geistigen Eigentums verbessert werden. Drittens: Die Grundsätze der makroökonomischen Politik müssen neu ausgerichtet werden. Die USA sollten die nationale Sparquote anheben und sich das strukturelle Etatdefizit, das einseitig auf den Konsum ausgerichtete Steuersystem und die zu Übertreibungen neigende Zentralbank vornehmen. Ein solcher Ansatz würde das Risiko der Handelsbilanzfehlbeträge minimieren. China muss dagegen in der Konsumförderung Ergebnisse vorzeigen. Dadurch würde sich die übertriebene Sparquote des Landes verringern, und die Handelsbilanzüberschüsse würden eingedämmt.

Wie Ebbe und Flut taucht in der Geschichte wieder der Protektionismus auf. Die Verteidigungsmaßnahme der einen Partei kann von einer anderen leicht als Bedrohung interpretiert werden – und so einen Handelskrieg auslösen. Die Welt schlittert beklemmend nah darauf zu.

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