Roachs Weltsicht
Rosige Zeiten?

Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seinem halbjährlich aktualisierten Bericht über den Zustand und die Aussichten für die Weltwirtschaft eine Basisanalyse der Welt für den Zeitraum 2007 bis 2008 erstellt. Vor ihr verblasst selbst das schreiendste Rosa.

Es musste ja so kommen. Jeder hat sich global ausgerichtet. Und jetzt ist es wieder Zeit, die Lage in den rosigsten Farben zu malen – in diesem ach so verlockenden Kolorit der achtziger Jahre, in dem sich der wilde Optimismus Amerikas unter der Reagan-Regierung widergespiegelt hatte. Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat in seinem halbjährlich aktualisierten Bericht über den Zustand und die Aussichten für die Weltwirtschaft nun eine Basisanalyse der Welt für den Zeitraum 2007 bis 2008 erstellt, vor der selbst das schreiendste Rosa verblasst.

Die jüngste IWF-Prognose ist die optimistischste Vorhersage, die ich jemals für die globale Wirtschaft gesehen habe: eine durchschnittliche Steigerung des weltweiten Bruttoinlandsprodukts für 2007 bis 2008 um 4,9 Prozent nach ebenfalls plus 4,9 Prozent in den vorhergehenden vier Jahren. Dieses Szenario ist aus zwei Gründen stark gefährdet: Zunächst einmal mache ich mir viel größere Sorgen, dass die US-Wirtschaft in die Knie gehen könnte. Die Chancen, dass die Rezession im Immobilienbereich auf die Verbraucherausgaben übergreift, sind hoch und steigen weiter.

Meine zweite Sorge gilt dem erhöhten Risiko eines Handelsprotektionismus, das sich derzeit in Form von wachsenden Reibereien zwischen den USA und China manifestiert. Meiner festen Überzeugung nach sind die Chancen ziemlich hoch – im Moment liegen sie bei vielleicht 60 Prozent –, dass bis zum Jahresende von beiden Häusern des US-Kongresses ein Währungs- oder Handelsgesetz verabschiedet worden ist, das beide Parteien übergreift und den Bestimmungen der Welthandelsorganisation entspricht – und zwar mit einem Spielraum, der einem Veto standhält. Falls dies eintritt, dann könnten sich die Aussichten für den Dollar und die US-Zinsen viel problematischer gestalten als angenommen.

Interessanterweise werden diese beiden Risikofaktoren im jüngsten World Economic Outlook des IWF in den Mittelpunkt der Analyse-Kapitel gestellt, die den Basisausblick begleiten. Ironischerweise verwerfen die IWF-Autoren dann genau die Analysen, die sie zunächst so sorgfältig entwickelt haben. In ihren eigenen Worten: „Die Risiken für das globale Wachstum scheinen jetzt ausgeglichener zu sein als noch vor sechs Monaten …“ Der blendende Glanz der rosigen Farben scheint nie verführerischer gewesen zu sein.

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