Roachs Weltsicht
Spiel mit dem Feuer

Vom politischen Gegenspieler zum wirtschaftlichen Feindbild: China ist und bleibt ein Reizthema für die USA. Nun muss Peking als Sündenbock für hausgemachte Probleme herhalten. Mit den geplanten Sanktionen erweisen sich die Amerikaner aber wohl einen Bärendienst.

Der US-Kongress scheint entschlossener denn je, den Druck auf China zu erhöhen. Es geht um die Handelspolitik – und die Reaktion des Gesetzgebers auf das übermäßige Handelsdefizit Amerikas gegenüber China. So wie die Dinge liegen, ist die Unterstützung in beiden Parteien groß genug, um harte Handelssanktionen auf eine breite Palette chinesischer Produkte, die in die USA geliefert werden, durchzusetzen. Allerdings wäre dies ein großer politischer Fehler. Der amerikanische Kongress spielt mit dem Feuer, wenn er China nachstellt.

Dieses gesetzgeberische „Heilmittel“ gründet auf makroökonomischen Analysen, die fehlerhaft sind. Auf China einzuschlagen, geht an dem eigentlichen Problem vorbei, das nach Ansicht der Politiker die amerikanischen Arbeitnehmer niederdrückt: ein massiver Handelsfehlbetrag, der 2006 ein Rekordhoch von 836 Mrd. Dollar erreichte. Den größten Anteil daran machte mit 232 Mrd. Dollar das Defizit gegenüber China aus. Der Kongress gibt deshalb China die Schuld, den amerikanischen Mittelstand zu belasten.

Bei dieser Schlussfolgerung wurde allerdings ein kritischer Punkt übersehen: Die Fehlbeträge in der Handelsbilanz sind nicht etwa deshalb entstanden, weil die USA dem unfairen Wettbewerb zum Opfer gefallen wären, sondern weil das Land unter einem chronischen Mangel an inländischen Ersparnissen leidet. Die nationale Nettosparquote ist im Zeitraum 2004 bis 2006 auf ein Rekordtief von einem Prozent des nationalen Volkseinkommens gefallen. Deshalb bleibt Amerika keine andere Wahl, als überschüssige Sparbeträge aus dem Ausland zu importieren, wenn es weiter wachsen will. China nimmt den größten Platz in dieser Gleichung ein, nicht weil es amerikanische Produkte unfair unterbietet, sondern weil das Land Erzeugnisse anbietet, die den Geschmack der US-Wirtschaft treffen.

Betrachten Sie die Folgen, wenn der Handel zwischen den USA und China maßgeblich eingeschränkt wird: Die unmittelbare Auswirkung wäre eine Besteuerung multinational tätiger US-Unternehmen wie etwa Wal-Mart. Der Einzelhändler hat 2006 Waren im Wert von etwa 18 Mrd. Dollar aus China bezogen. Das würde entweder die Gewinnmargen drücken oder, wenn die Steuer auf die Einzelhandelspreise abgewälzt werden würde, die Lebenshaltungskosten der US-Verbraucher in die Höhe treiben.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%