Roachs Weltsicht: Weniger Geld für die USA

Roachs Weltsicht
Weniger Geld für die USA

Der jüngste Bericht des US-Schatzamts über die internationalen Kapitalflüsse hat sich als böse Überraschung herausgestellt. Immer weniger Kapital fließt in längerfristige US-Wertpapiere. Die Besorgnis wächst – an mehreren Fronten.

DÜSSELDORF. Die Nettokapitalzuflüsse aus dem Ausland in längerfristige US-Wertpapiere sind im Dezember 2006 auf nur noch 15,6 Mrd. Dollar gefallen. Das ist der niedrigste Monatswert seit fast fünf Jahren.

Es gibt nun keinen Zweifel mehr daran, dass sich gleich an mehreren Fronten Besorgnis erregende Spannungen aufbauen. Zunächst einmal haben die USA bisher keine Anstrengungen unternommen, um ihren chronischen Fehlbetrag bei den Ersparnissen zu mindern. Zweitens dämmert es dem Rest der Welt, dass es Alternativen zu Dollar-Anlagen mit niedriger Rendite gibt. Und drittens flirtet Washington weiter mit protektionistischen Reaktionen auf das riesige Handelsungleichgewicht Amerikas gegenüber China.

Bei der Gestaltung der Anlagepolitik sprechen sich besonders die Manager im Nahen Osten und in anderen asiatischen Ländern für Streuungsstrategien aus. Gleichzeitig arbeiten die drei Länder mit den größten überschüssigen Ersparnissen der Welt – China, Japan und Deutschland – hart daran, den Binnenverbrauch anzukurbeln. Wenn sie damit Erfolg haben, dann werden sie ihre übermäßigen Ersparnisse herunterfahren und über weniger überschüssiges Kapital verfügen, das sie in Form von Investitionen in Dollar-Anlagen Richtung Amerika schicken können.

Trotz dieser für die US-Währung pessimistischen Schlussfolgerungen stehe ich zu meiner Überzeugung, dass eine Währungsanpassung nicht als das vorrangige Werkzeug zum Austarieren einer aus dem Gleichgewicht geratenen Welt angesehen werden sollte. Stattdessen brauchen wir umfangreiche Anpassungen bei der Verteilung der weltweiten Ersparnisse: mehr von den USA und weniger von China, Japan, Deutschland und vom Nahen Osten.

Gleichzeitig glaube ich immer noch, dass der Tag kommt, an dem der Dollar von globalen Veränderungen in den Portfolios getroffen wird. Ausländische Investoren werden deutliche Finanzierungskonzessionen für ihre bisher noch unbegrenzten Anschaffungen von Dollar-Vermögenswerten verlangen – und zwar entweder in Form eines schwächeren Dollar und/oder höheren realen Langfrist-Zinsen.

gastautor@handelsblatt.com

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