Roachs Weltsicht
Wieder platzt eine Blase

Vor sieben Jahren haben die „Dotcoms“, die Internetunternehmen, der spekulativen Übertreibung an den Aktienmärkten ein jähes Ende bereitet. Heute lautet das Schlagwort „Sub-prime“. Es bezeichnet Hypothekenschulden, die keine erstklassige Bonitätseinstufung haben. Sie sorgen gerade dafür, dass der Aktienmarkt in Turbulenzen gerät.

Vor sieben Jahren hatten die Optimisten behauptet, dass Wertpapiere in einer ziemlich guten Verfassung seien. Exzesse konzentrierten sich ihrer Überzeugung nach auf die Aktien von etwa 350 rein auf das Internet bauenden Unternehmen, die zum Jahresende 1999 zusammen genommen nur rund sechs Prozent der gesamten Kapitalisierung des US-Wertpapiermarkts ausmachten. Diese Ansicht hat sich als falsch erwiesen: Die „Dotcom“-Blase platzte und in den kommenden zweieinhalb Jahren sank der breit gefasste S&P-500-Index um 49 Prozent.

Spulen wir sieben Jahre nach vorne. Die Krise konzentriert sich erneut zunächst auf ein relativ kleines Marktsegment: Es geht um zehn Prozent der gesamten verbrieften Hypothekenschulden. Ich vermute aber, dass wieder durch einen kleinen, falsch bewerteten Teil einer wichtigen Anlageklasse eine Dynamik in Gang gesetzt worden ist, die Folgen für die gesamte US-Wirtschaft haben wird.

Vor sieben Jahren wurde so vor allem der Unternehmenssektor gewaltig in Mitleidenschaft gezogen. Dort hatte die Internet-Euphorie zu völlig übersteigerten Investitionen und Neueinstellungen geführt, die nicht durchzuhalten waren. Heute dürften sich die Gefahren auf den Verbrauchersektor konzentrieren.

Amerika ist in diese missliche Lage geraten, weil es dem Sirenengesang der spekulativen Übertreibung am Wertpapiermarkt erlegen ist. Die Notenbank hat schnell und aggressiv die Zinszügel gelockert. Die überschüssige Liquidität präparierte die Märkte für eine Reihe von Übertreibungen, besonders bei Wohnimmobilien, Schwellenländern, hochverzinslichen Unternehmensanleihen und Hypotheken. Der Mangel an Ersparnissen führte in den USA zur Mutter aller Leistungsbilanzdefizite. Niemand im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte hat geglaubt, dass sich ein solcher Schlamassel aufrechterhalten lässt. Es ging nur um die Frage, wann es damit vorbei sein würde.

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