Roachs Weltsicht
Zwei auf einen Streich

China muss in der Umweltpolitik jetzt Farbe bekennen. Das Problem hat aber zwei Seiten: Es dreht sich ja nicht nur darum, auf saubere Technologien zu wechseln. Vielmehr muss die gesamte Makrostruktur der Wirtschaft von einer verschmutzungsintensiven auf eine umweltfreundliche Mischung umgestellt werden.

Problematisch ist, dass Chinas Wirtschaft sehr stark auf Exporte und Sachinvestitionen ausgerichtet ist. Aus makroökonomischer Sicht kann diese Konzentration nicht aufrechterhalten werden; sie beschwört die Möglichkeit eines deflationären Überhangs überschüssiger Kapazitäten und die eines protektionistischen Gegenschlags gegen einen scheinbar unbegrenzten Exportboom herauf. Auch Umweltschutzgründe sprechen dagegen, weil einem von der Industrieproduktion getragenen Export- und Investitionsboom eine natürliche Tendenz zu exzessiven Kohlenstoffemissionen inne wohnt. Und es gibt noch einen weiteren wichtigen Punkt: Das Land ist heute der größte Verbraucher von Kohle unter allen führenden Volkswirtschaften. Ganze 79 Prozent der Stromerzeugung Chinas im Jahr 2003 basierten auf Kohle. Die negativen Auswirkungen der Nutzung von Kohlenenergie auf die Umwelt sind nur zu gut bekannt.

China hat nun die seltene Gelegenheit, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Eine erfolgreiche Neugewichtung der Wirtschaft – weg von übertriebenem Vertrauen in Investitionen und Exporte, hin zu einem eher den Verbrauch fördernden Wachstumsmodell – wäre ein großes Plus. Das Land würde in die Lage versetzt, Kapazitätsüberschüsse und protektionistischen Risiken zu vermeiden. Zudem hätte es den Vorteil, den Produktions-Mix von dem Kurs auf ein Wachstum, das stark umweltbelastend und energieintensiv ist, abzubringen.

Die Äußerungen aus Peking, die dieses gemeinsame Problem betreffen, sind ermutigend. Der „Arbeitsbericht“, den Ministerpräsident Wen Jiabao dem Nationalen Volkskongress präsentierte, empfiehlt mit Nachdruck eine Strategie der Neujustierung des makroökonomischen Gleichgewichts, das Energiesparen und Maßnahmen zur Sanierung der Umwelt. China hat in den vergangenen 28 Jahren seinen Willen und seine Entschlossenheit zur Umsetzung von Reformen bewiesen. Und so hoffe ich, dass es sich genauso der Lage gewachsen zeigen und eine Neugewichtung vornehmen wird. Die Zeit wird knapp.

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