Roachs Weltsicht
Zwiespältiger Ausblick

Vor kurzem habe ich den ersten optimistischen Artikel seit Jahren über die Aussichten für die Weltwirtschaft verfasst. Gleichzeitig habe ich vor den zunehmenden Abschwungrisiken für das globale Wachstum 2007 gewarnt. Wie bringe ich nun diese scheinbar widersprüchlichen Ansichten in Einklang?

Meine optimistische Einschätzung beruhte vor allem auf der weltweiten politischen Architektur – den strukturellen Rahmenbedingungen, die das grenzüberschreitende Zusammenspiel der nationalen Volkswirtschaften und der Weltfinanzmärkte regeln. Ich war ermutigt, weil die so genannten Hüter der Globalisierung die Gefahren der wachsenden weltweiten Ungleichgewichte endlich ernst zu nehmen schienen. Die Treffen der Siebenergruppe (G7) und des Internationalen Währungsfonds (IWF) am 22. April waren Wendepunkte: dort wurden die globalen Ungleichgewichte als zunehmend gefährliche Bedrohung für das nachhaltige Wachstum der Weltwirtschaft ausgemacht.

Gleichwohl hat sich der zyklische Ausblick für die Weltwirtschaft in den vergangenen Monaten verschlechtert. Die Haupttriebkraft ist dabei das lange erwartete Platzen der Immobilienblase in den USA. Das bedeutet Konsolidierung – für den von seinen Vermögenswerten abhängigen amerikanischen Verbraucher wie für exportstarke Volkswirtschaften, speziell in Asien, Europa und Südamerika, die sehr stark von der Verbrauchernachfrage in den USA abhängig sind.

Die Makro-Prognose spiegelt immer einen Saldo von strukturellen und zyklischen Kräften wider. Die Kernbotschaft meiner optimistischen Einschätzung der Weltwirtschaft erstreckt sich weniger auf den kurzfristigen Wachstumsausblick als vielmehr auf die verringerten Risiken einer krisenhaften Zuspitzung für eine Welt voller wirtschaftlicher Ungleichgewichte.

Die schlechte Nachricht ist, dass diese unausgewogene Welt hochgradig abhängig vom amerikanischen Verbraucher bleibt. Die gute Nachricht ist, dass die Hüter der Globalisierung endlich zusammenarbeiten, um die damit einhergehenden Systemrisiken abzumildern. Unter dem Strich bleibe ich optimistisch, was die strukturelle Prognose angeht, und pessimistisch, was den zyklischen Ausblick betrifft.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%