Roaming zwischen GSM und UMTS noch nicht einwandfrei
UMTS bekommt durch die neuen Handys endlich ein Gesicht

Langsam aber sicher geht es los. Die schon fast totgesagte UMTS-TTechnologie wird zwar noch nicht mit Leben erfüllt, bekommt jetzt aber zumindest ein Gesicht: Die ersten Handys nach dem neuen Mobilfunkstandard sollen in den nächsten Wochen vorgestellt beziehungsweise auch auf den Markt gebracht werden.

vwd DÜSSELDORF. Mit großer Spannung blickt die Fachwelt am Donnerstag nach Helsinki, wo der weltgrößte Hersteller Nokia sein Debütgerät präsentieren will. Nummer Zwei Motorola plant noch 2002 Auslieferungen. Und Ericsson verkündet, eines der wichtigsten technischen Probleme im Griff zu haben: UMTS-Handys laufen demnach auch mit dem bisherigen Standard GSM.

Eigentlich wollte die Branche schon längst viel weiter sein. Vor noch nicht allzu langer Zeit hatte so Mancher noch von einem Marktstart im Herbst, wenn nicht gar im Sommer geträumt. Doch Investitionszurückhaltung auf Seiten der Mobilfunkbetreiber, die unter den finanziellen Lasten der teuren Lizenzen ächzen, und offenbar Überschätzung der technischen Hürden bei den Herstellern machten alles zu Makulatur und sorgten nach der anfänglichen Euphorie beim Thema UMTS für Negativschlagzeilen. In Deutschland verschob Vodafone die Einführung, warf Quam das Handtuch und muss Mobilcom ums Überleben bangen.

Immerhin sind von den großen Herstellern der Technik keine Rückzieher zu vermelden. Eine ganze Reihe sieht sich zwar noch nicht so weit oder wartet nach eigener Darstellung bewusst erst einmal ab. So hat der viertgrößte Handyproduzent Samsung zwar "mehrere Projekte" in der Pipeline und arbeitet an verschiedenen Geräten. Man wolle aber zunächst Erfahrungen mit dem laufenden Netzbetrieb machen, ehe man loslege, sagt eine Firmensprecherin. Auch Alcatel als Nummer Acht, die nur entwickelt und vermarktet, aber selbst nicht produziert, wird Geräte unter eigenem Namen nicht vor 2003 einführen.

Das im Handybereich eher kleine UnternehmenToshiba, in Japan sehr stark mit 3G-Diensten aktiv, konzentriert sich in Europa zunächst weiter auf den herkömmlichen Standard GSM. Anders hält es NEC, an siebter Stelle der Welthierarchie und ebenfalls ein bedeutender Lieferant in Japan: Die Produktionsstätten in Europa seien voll ausgelastet, berichtet ein Firmensprecher. Die Geräte gingen vorerst an Netzbetreiber namentlich in Großbritannien, Spanien und Italien. Den Endkundenmarkt hingegen wird NEC noch nicht direkt selbst beliefern.

In Japan hatte Marktführer NTT Docomo vor einem Jahr das erste UMTS-Netz überhaupt gestartet. Mit mäßigem Erfolg. Denn die Geräte können nicht auf den dort gebräuchlichen Übertragungsstandard PDC umschalten. Eine solche Kompatibilität ist aber eine Grundvoraussetzung für den Erfolg von UMTS. Für Europa heißt die zentrale Anforderung: 3G muss sich mit dem hier verwendeten GSM-Standard vertragen - ein Problem, das alles andere als einfach ist. Denn UMTS basiert auf der Technik CDMA, bei der sich die Handys über bestimmte Codes erkennen, während GSM die TDMA-Technik nutzt; hierbei werden die Datenpakete für die Übertragung einzelnen Zeitschlitzen zugeteilt.

Da der neue Mobilfunkstandard, der das Handy zum multimedialen Alleskönner machen soll, zunächst nur in Ballungszentren und entlang wichtiger Verkehrswege zum Einsatz kommen dürfte, ist es nach Ansicht der Experten essenziell, dass die Geräte andernorts auch mit der hergebrachten GSM-Technik funktionieren. "Bei UMTS denken alle an das Fußballtor auf dem Handy. Zunächst muss aber sichergestellt sein, dass man flächendeckend telefonieren kann", betont Nicolas von Stackelberg, der für das Bankhaus Sal. Oppenheim die Hersteller beobachtet.

Motorola habe zwar schon vor Monaten erklärt, das Roaming zwischen GSM und UMTS zu beherrschen, dies aber nicht demonstriert. Er habe gewisse Zweifel an dieser Behauptung, sagt Stackelberg. Umso gespannter sei er auf die heutige Pressekonferenz von Marktführer Nokia. Das Unternehmen will zusammen mit Hutchison und Sonera, die unter den UMTS-Betreibern in Europa ganz vorn in den Startlöchern stehen, sein erstes 3G-Telefon vorstellen. Anfang 2003 soll es auf den Markt kommen. Einem Branchendienst zufolge wird das "Nokia 6650" rund 500 Euro kosten. Damit wäre es fast ein Schnäppchen, geht doch die Fachwelt bislang von Preisen zwischen 1 000 und 1 500 Euro aus.

Zumindest Ericsson hat das komplizierte Umschalt-Problem von UMTS zu GSM nach einem Zeitungsbericht jetzt gelöst. Über das Joint Venture Sony Ericsson Mobile Communications AB sollen die Geräte im zweiten Quartal 2003 eingeführt werden. Um einiges früher ist Motorola am Drücker: Noch in diesem Jahr werde man mit dem A830 ein UMTS-fähiges Handy für weniger als 1 000 Euro auf den Markt bringen, heißt es. "Wir sind auf alle Fälle im Zeitplan", betont ein Firmensprecher. Zumindest vorstellen wird auch Siemens 2002 ein Endgerät. Der Technologiekonzern, drittgrößter Handyproduzent, muss sich dafür aber bei Motorola bedienen - selbst hat er es nicht geschafft.

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