Robert Korzeniowski holt Gold im 50 km Gehen
Stabhochspringer unterstreichen Titelambitionen

Zwei deutsche Stabhochspringer haben am Donnerstag bei den Europameisterschaften in München ihre Anwartschaft auf eine Medaille angemeldet: Während Tim Lobinger und der nationale Titelträger Lars Börgeling mit 5,60 m hinauf sprangen, musste die deutsche Mannschaft mit drei Ausfällen auch Enttäuschungen hinnehmen. Damit gab es bereits 20 vorzeitige "Patzer" in der ersten Runde oder in Qualifikationen.

dpa MÜNCHEN. Der Pole Robert Korzeniowski ist der Dominator im Gehen über 50 km und hat seinen Titel in der Weltbestzeit von 3:36:39 Stunden verteidigt. Der 34-Jährige hat seit seinem Olympia-Doppel über 20 und 50 km in Sydney stets gewonnen und wurde für seine neue Glanzleistung auf einer Ehrenrunde mit der polnischen Nationalflagge auf den Schultern begeistert gefeiert. Der dreifache Olympiasieger und zweimalige Weltmeister von 1997 und 1999 war 47 Sekunden schneller als Waleri Spitzin am 21. Mai 2000 in Moskau und degradierte die Konkurrenz einmal mehr zu Statisten bei seiner beispiellosen Tempohatz. Weltrekorde werden im Gehen und Marathonlauf wegen der unterschiedlichen Strecken nicht geführt, nur Weltbestleistungen.

Auf dem zwei Kilometer langen Rundkurs vor dem Olympiastadion ließ der Pole zu keinem Zeitpunkt etwas anbrennen. Ab Kilometer 15 lag er bereits in Führung, schüttelte danach auch noch den Letten Aigars Fadejevs ab und holte einen souveränen Sieg mit fast dreieinhalb Minuten Vorsprung vor Alexej Wojewodin (Russland/3:40:16) heraus. Jesus Angel Garcia (Spanien/3:44:33) als Dritter lag nahezu acht Minuten zurück.

Für deutschen Geher war nichts zu holen

Für die deutschen Geher, über 50 km nicht vertreten, gab es in den drei Wettkämpfen nichts zu holen. Nach dem verletzungsbedingten Fehlen von Andreas Erm (Naumburg) war nur ein Trio über 20 km im Einsatz. Andre Höhne (Berlin) erreichte in der deutschen Jahresbestzeit von 1:21:38 Stunden Rang 11, Jan Albrecht (Erfurt/1:25:58) wurde 19. Die WM-Siebte Melanie Seeger (Potsdam) musste sich in 1:33:40 Stunden mit dem 14. Platz begnügen und war selbst am meisten enttäuscht. Der neue Teamchef Ronald Weigel, der bisher Australiens Elite betreute und zu drei Siegen bei den Commonwealth Games führte, steht vor keiner beneidenswerten Aufgabe.

Sechs-Meter-Mann Lobinger aus Frankfurt/Main und der deutsche Meister Börgeling aus Leverkusen überquerten 5,60 m, während Richard Spiegelburg (Leverkusen) bei 5,45 m hängen blieb und ausschied. Spiegelburg war kurzfristig für seinen Vereinskollegen Danny Ecker nachgerückt, der wegen Verletzung verzichtet hatte. "Oft musste ich in der Qualifikation zittern, diesmal nicht. Das macht mich froh und optimistisch", sagte Lobinger. Beide Deutschen gehören nach den gezeigten Saisonleistungen zu den Favoriten.

Sebrle im Zehnkampf weiter in Führung

Bei den Zehnkämpfern lag derweil Titelfavorit Roman Sebrle (Tschechien) auch nach sieben Zehnkampf-Disziplinen mit 6330 Punkten in Führung. Durch den besten Diskuswurf aller 20 Starter von 48,93 m schob sich der Russe Lew Lobodin (6060) auf den 2. Platz vor. Titelverteidiger und Olympiasieger Erki Nool aus Estland (6035) fiel auf Rang drei zurück. Sebastian Knabe aus Halle/Saale war nach dem Diskuswerfen 9. mit 5838 vor Mike Maczey (Kiel) mit 5766 Punkten.

Auf Grund des herbstlich-kühlen und regnerischen Wetters ist der Weltrekord des 27 Jahre alten Sebrle (9026) nicht gefährdet. Der Favorit aus Tschechien dürfte es auch schwer haben, seine Jahresweltbestleistung (8800) zu übertreffen. Der Stabhochsprung, der achte Teilwettbewerb, ist Sebrles "Wackeldisziplin".

Der dritte Wettkampftag hatte aus deutscher Sicht enttäuschend begonnen: Hürdensprinterin Kirsten Bolm, Zweite der Hallen-EM, schied als Fünfte ihres Vorlaufs in 13,46 Sekunden aus. "Der Lauf war alles andere als optimal, mir fehlen das Selbstvertrauen und die Spritzigkeit", war die Kölnerin enttäuscht. Sie habe seit Wochen wegen Problemen im Gesäßmuskel nicht richtig trainieren können: "Die Angst läuft immer mit. Was ich dieses Jahr gelaufen bin, ist nicht das, was ich wirklich kann." Über 200 m ist auch der Erfurter Steffen Otto als einziger deutscher Teilnehmer nicht mehr dabei. Er blieb als Fünfter seines Vorlaufs in 21,24 Sekunden klar unter seinen Möglichkeiten.

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