Robert Zoellick, Weltbankchef in spe
Werben, zuhören und lernen

Man merkt ihm die diplomatische Vergangenheit an: Die Eigenwerbung des früheren US-Außen-Staatssekretär Robert Zoellick im Bezug auf den Posten als Chef der Weltbank lebt von Höflichkeit und Bescheidenheit. Der von George Bush nominierte Kandidat ist bemüht, keine Fehler zu machen.

BERLIN. Der Ton macht die Musik. Und weil die US-Administration derzeit neue Stücke einprobt, sind auch neue Töne zu hören. Die jedenfalls hat jetzt Robert Zoellick in Berlin angeschlagen. Zuhören und lernen - das war die zentrale Botschaft, die der frühere US-Diplomat und Goldman-Sachs-Manager in Berlin aussendet. Denn Zoellick ist als US-Kandidat für den Posten des Weltbank-Chefs nominiert worden. Und deshalb sitzt er nun im Kaminzimmer des Hotels Adlon vor Journalisten und führt eine Übung voller Demut vor.

Da ist nichts zu spüren von der früheren Überheblichkeit, mit der die Supermacht bei ihren Partnern gerne Politik oder Personalvorstellungen in internationalen Organisationen durchzusetzen versuchte. Ganz im Einklang mit dem mittlerweile betont multilateralen Kurs der Bush-Regierung präsentiert sich Zoellick bescheiden. Seine Weltreise diene dazu, "den Teilhabern der Weltbank Respekt zu zollen". Das klingt freundlich. Mehrfach lehnt er klare Stellungnahmen zum künftigen Kurs der Weltbank ab. Er reise ja schließlich derzeit, um zu lernen.

Nur einmal schleicht sich eine Spitze ein, als Zoellick nach einem Kommentar zu der Forderung des russischen Präsidenten befragt wird, die Macht der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds zu beschränken. "Ich bin mir nicht sicher, dass ich mich bei der Suche nach Reformmodellen gerade an ihn wenden würde", witzelt Zoellick. Dann fügt er aber sofort versöhnlich hinzu, natürlich habe Putin Recht mit der Analyse, dass sich die im Kalten Krieg gegründete Weltbank wandeln müsse.

Dass die Bundesregierung als einer der wichtigsten Beitragszahler der Weltbank gerade maßgeblich dazu beigetragen hat, Paul Wolfowitz von der Spitze der Organisation wegzuschießen, erwähnt Zoellick dagegen gar nicht erst. Muss er auch nicht, denn der Empfang für den amerikanischen Kandidaten ist in Berlin mehr als freundlich. Gut, die Kanzlerin selbst hatte keine Zeit für ihn. Aber Außenminister Frank Steinmeier-Walter lässt sich demonstrativ mit Zoellick ablichten und lobt ihn.

Der frühere Außen-Staatssekretär und Handelsbeauftragte der USA ist in Berlin ein alter Bekannte. Der Mann mit dem dünnen Schnauzbärtchen gilt zwar als harter Verhandler, aber eben informiert, pragmatisch und unideologisch. Und Zoellick scheint wild entschlossen, weiter alles richtig zu machen. Die erste Reise des Kandidaten führte noch vor Europa nach Afrika. Lange und mit Detailgenauigkeit erzählt er in Berlin über seine Gespräche dort, identifiziert Probleme, ohne vorschnell Lösungen anzubieten. Auch hier lautet die Botschaft: Ich lerne noch. Und wenn ich gewählt werde, bin ich nicht der Präsident der reichen Länder, sondern kenne die Probleme der Empfänger. Perfekt für einen Kandidaten.

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