Robertson: Entwaffnungsmission "sehr schnell" einsatzbereit
Nato warnt vor Verschärfung der Lage in Mazedonien

Nach dem Abbruch der Verhandlungen über eine friedliche Lösung des Konflikts in Mazedonien hat die Natovor einer Verschärfung der Lage in der Region gewarnt und alle Parteien zum raschen Abschluss eines politischen Abkommens gedrängt.

afp WASHINGTON/SOPJE. Die albanischen und slawisch-mazedonischen Parteien wüssten, "wie nahe das Land vor einem Bürgerkrieg" stehe, warnte NATO-Generalsekretär George Robertson am Mittwoch in Washington. Zugleich bekräftigte er die Bereitschaft der Allianz, so bald wie möglich Soldaten zur Überwachung der Rebellen-Entwaffnung nach Mazedonien zu entsenden. Trotz ihrer Differenzen setzten ethnisch-albanische und slawisch-mazedonische Parteien in der Nacht zum Donnerstag ihre Beratungen fort. Nach Diplomatenangaben wurden dabei Fortschritte erzielt.

Robertson betonte, sobald die politischen Voraussetzungen erfüllt seien, sei die Nato"sehr schnell" zur Entsendung von Truppen bereit. Er habe dem mazedonischen Präsidenten Boris Trajkovski zugesichert, dass sich die Allianz "unter keinen Umständen" in territoriale Angelegenheiten des Landes einmischen werde, sagte er nach einem Treffen mit US-Außenminister Colin Powell und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld. Die Natoist bereit, rund 3000 Soldaten nach Mazedonien zu entsenden, sofern Skopje mit den Albaner-Rebellen ein Abkommen über deren Entwaffnung schließt. Die voraussichtliche Dauer des NATO-Einsatzes benannte ein Vertreter der Allianz in Brüssel mit vier Wochen. Die Frist könne jedoch verlängert werden, wenn dies militärisch erforderlich sei.

Die USA deuteten entgegen ihrer ursprünglich ablehnenden Haltung ihre Bereitschaft zur Bereitstellung von Soldaten für die geplante Mission an. Eine politische Lösung vorausgesetzt, könnte Washington einen Teil seiner 700 bereits in Mazedonien stationierten Soldaten zur Verfügung stellen, sagte Powell. Frankreich ist nach Angaben aus Pariser Regierungskreisen zur zeitlich begrenzten Entsendung eines Armee-Kontingents von "mehreren hundert Mann" bereit. Italiens Generalstabschef Gianfranco Ottogalli stellte ein Kontingent von "nicht weniger als 500 bis 600 Mann" in Aussicht. Der russische Außenminister Igor Iwanow schloss eine russische Beteiligung an der NATO-Truppe nicht aus, wenn dies "auf gleichberechtigter Grundlage" angeboten werde. Ein bulgarischer Regierungssprecher sagte, die Regierung in Sofia habe der Nato "volle Unterstützung" angeboten.

An dem Treffen der vier Parteien der brüchigen mazedonischen Regierungskoalition in der Nacht zum Donnerstag nahmen neben Trajkovski auch die Botschafter der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Italiens teil, wie mazedonische Medien berichteten. Trajkovski sagte nach dem vorläufigen Abbruch der Gespräche am Mittwoch, sie könnten erst fortgesetzt werden, wenn die Albaner ihre Forderung nach einer Föderalisierung des Landes fallen ließen. Die slawischen Parteien befürchten eine Spaltung Mazedoniens in eine slawische und eine albanische Verwaltungseinheit.

Für die Dauer der Gespräche hatten sich Albaner-Rebellen und mazedonische Armee vergangene Woche zu einer Waffenruhe bereit erklärt. Ungeachtet der Feuerpause kam es weiter zu vereinzelten Gefechten im Norden des Landes. Die Armee feuerte am Mittwochabend nach Angaben eines Sprechers bei Blace an der Grenze zum Kosovo auf "eine Gruppe von Terroristen". Um das von der UCK kontrollierte Dorf Aracinovo bei Skopje war in der Nacht Gewehrfeuer zu hören. In Skopje nahmen die Behörden nach Fernsehangaben etwa 30 Albaner fest, denen Verbindungen zur Guerilla vorgeworfen werden.

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