Robin Saunders muss Niederlage verkraften
Star-Bankerin in schwerem Fahrwasser

Vielleicht muss sich Robin Saunders schon bald an eine neue Rolle gewöhnen. Bislang hat sich die Bankerin in einer atemberaubenden Geschwindigkeit selbst zum schillernden Star der ansonsten biederen WestLB geformt. Die Meldungen über eine finanzielle Schieflage bei einem Kunden in dreistelliger Millionenhöhe fügen dem Sieger-Image empfindlichen Schaden zu.

LONDON. Vielleicht muss sich Robin Saunders schon bald an eine neue Rolle gewöhnen. Bislang hat sich die Bankerin in einer atemberaubenden Geschwindigkeit selbst zum schillernden Star der ansonsten biederen WestLB geformt. Die Meldungen über eine finanzielle Schieflage bei einem Kunden in dreistelliger Millionenhöhe fügen dem Sieger-Image empfindlichen Schaden zu.

Saunders ist Spezialistin in der Eigenkapitalfinanzierung. Sie und ihre 30 Mitarbeiter versorgen Firmen zeitlich begrenzt mit Kapital und lassen sich dafür in der Regel mit einer Mehrheitsbeteiligung bezahlen. Ein Ziel der Banken bei diesem Milliardenspiel ist es, die Beteiligungen später mit einem erklecklichen Gewinn wieder abzustoßen. Die Transaktionen sind hoch profitabel - aber auch sehr riskant.

Die Amerikanerin kam 1998 als Nobody von Deutsche Morgan Grenfell zur WestLB in London. Schnell wurde klar, dass sie über ein gutes Händchen für Geschäfte verfügt. Sie half Formel 1-Chef Bernie Ecclestone mit einer Finanzspritze von 1,4 Mrd. $ aus der Klemme. Sie machte dem Selfmade-Milliardär Philip Green den Weg zur Übernahme der britischen Einzelhandelskette BHS frei. Und sie sicherte der WestLB eine Beteiligung am prestigeträchtigen Neubau des Londoner Wembley-Stadions.

Mehr und mehr entpuppte sich Saunders als Erfolgsfrau. Die 40-Jährige ist ausgestattet mit einem robusten Selbstbewusstsein, besten Kontakten zu Medien, Vorgesetzten und Finanzmagnaten sowie einem illustren Lebenswandel (Toga-Parties gehören dabei ebenso zur Legende wie die üppige Feier ihres 40. Geburtstags in Florenz). Im persönlichen Gespräch ist sie verbindlich, in ihren Geschäften clever und risikofreudig.

Mit Verlierern oder verlustreichen Projekten musste sich die Frau mit den "Teflon-Eigenschaften", (nichts bleibt an ihr hängen) nicht abgegeben - obwohl sie auch früher schon Niederlagen erlitt. So blieben die Düsseldorfer nach der Pleite der Londoner Metallhandels-Firma RBG auf 200 Mill. Pfund sitzen. Saunders habe im Vorfeld alle Risiken "professionell geprüft", sprangen ihr damals die Chefs bei - und erwähnten, dass man eben nicht alle Risiken verhindern könne. Bei anderen Deals rückte Saunders sich selbst und die WestLB ins Rampenlicht - doch den Ankündigungen folgten keine Taten. Die Rettung des Schienennetzbetreibers ist so ein Beispiel, das Angebot in Höhe von 25 Mrd. Pfund (ca. 36 Mrd. Euro) für die Festnetzgeschäfte der British Telecom ein anderes. Auch mit ihrem wichtigsten Mitstreiter Philip Green erlitt sie eine Niederlage: Sein 6 Mrd. Pfund schweres Angebot an die Einzelhandelskette Marks & Spencer kam trotz umfangreicher Garantien der WestLB nicht durch.

Zwar gibt es schon länger Stimmen, die das (noch) mit Staatsgarantien ausgestattete Institut davor warnen, die millionenschweren Risiken möglicherweise auf Kosten der Steuerzahler einzugehen. Doch bislang hat Saunders immer trotzig dagegengehalten und vorgerechnet, dass sie mit ihrem Londoner Team in den vergangenen Jahren "mehrere Hundert Millionen Euro" eingebracht habe.

Zuletzt musste der "Managing Director of Asset Securitisation", so ihr offizieller Titel, ungewöhnlich hart kämpfen. Ihr jüngster Coup, der Wasserversorger AWG, erweist sich als schwieriger als erwartet. Das Unternehmen hat mittlerweile schon das zweite Angebot abgeblockt, und auch die Wettbewerbsbehörde droht wegen eines WestLB-Engagements beim AWG-Konkurrenten zu murren. Saunders und ihr Team hat sich an die Aktionäre gewandt - dennoch dürfte sie auch ein drittes Mal aufstocken müssen, sollte sie ernsthaft ihre Chancen zu bewahren suchen.

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