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Robinho bittet im Entführungsfall um Zurückhaltung

In der ersten Stellungnahme nach der Entführung seiner Mutter bat der brasilianische Fußballstar Robinho die Medien, nicht mehr über den Fall zu berichten.

dpa RIO DE JANEIRO. In der ersten Stellungnahme nach der Entführung seiner Mutter bat der brasilianische Fußballstar Robinho die Medien, nicht mehr über den Fall zu berichten.

"Habt Verständnis und lasst mich und meine Familie in Ruhe. Die Gerüchte, wonach ich Opfer von Erpressung oder Rache bin, sind einfach falsch", sagte der 20-jährige Stürmer der Nationalelf und des FC Santos auf einer Pressekonferenz.

Brasiliens Justizminister Marcio Thomaz Bastos hat nach der Entführung ein "Kriegsklima" im Land beklagt. "Ich glaube aber nicht, dass wir dabei sind, diesen Krieg zu verlieren. Wir müssen diesen Kampf einfach gewinnen", sagte der Minister nach Medienberichten in Brasilia.

Der Präsident des FC Santos, Marcelo Teixeira, forderte nicht nur die Medien, sondern auch die Polizei auf, "sich von dem Fall zu entfernen". Er erklärte, Robinho werde bald wieder spielen. Der Stürmer, der über einen Wechsel nach Real Madrid verhandelt, war nicht eingesetzt worden. Ohne seinen trickreichen Superstar schaffte der FC Santos nur ein 1:1 bei Criciuma und gab damit sechs Spieltage vor Meisterschaftsende die Tabellenführung an Atletico Parana ab."Wir wollen, dass Robinho dem FC Santos in dieser entscheidenden Turnierphase hilft", sagte der Clubpräsident.

Die Polizei äußerte den Verdacht, dass Robinho nahe stehende Personen "aus Rache" an der Verschleppung beteiligt sein könnten. "Wir betrachten den Fall mit Misstrauen. Robinho war immer ein guter Junge, er ist aber mit sehr armen und oft nicht besonders guten Menschen aufgewachsen. Einige seiner Nachbarn sind Kriminelle", sagte ein Kommissar. Robinho habe vor zwei Monaten ein "Taschengeld" gestrichen, dass er früheren Freunden seit Jahren gegeben habe. Seitdem werde er erpresst. Ob die Entführer sich inzwischen gemeldet haben, wurde von keiner Seite mitgeteilt.

Die brasilianische Fußballlegende Pelé hat Robinho bereits als seinen "möglichen Nachfolger" bezeichnet. Mit gerade einmal 18 Jahren schaffte der schmächtige Spieler mit dem Lausbubengesicht im Jahr 2002 seinen Durchbruch, als er den FC Santos zum Gewinn der Landesmeisterschaft führte. An Robinho sollen unter anderem auch Benfica Lissabon, Atletico Madrid, PSV Eindhoven und Corinthians Sao Paulo interessiert sein.

Die Entführung seiner Mutter könnte Robinho nun nach Aussagen von Freunden zu einem schnelleren Wechsel nach Europa bewegen. "Real Madrid will ihn schon ab Juli 2005 haben", erklärte Manager Wagner Ribeiro.

Die 43-jährige Marina Souza war am 6. November kurz vor Mitternacht in einem Vorort der Hafenstadt Santos im Bundesland Sao Paulo während einer kleinen Familienparty verschleppt worden. Zwei bewaffnete Männer sprangen über eine Mauer und gelangten so in die Partyräume des Wohnungsgebäudes. Verletzte gab es dabei nicht.

Entführungen sind in Brasilien keine Seltenheit. Allein in der Wirtschaftsmetropole Sao Paulo wurden im vergangenen Jahr 83 Menschen gekidnappt. sieben Menschen sind neben Robinhos Mutter zurzeit in der Gewalt ihrer Entführer. Die Fußballszene, die davon bislang kaum betroffen war, fürchtet nun, dass es zu einer ähnlichen Zuspitzung kommt wie im Nachbarland Argentinien. Dort wurden seit 2002 nicht weniger als 20 Entführungsfälle registriert, bei denen Fußballer oder deren Verwandte die Opfer waren.

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