Roboter zur Unterstützung von Pfelgepersonal soll 2003 serienreif sein
Serve Us: Die Erfinder des Hightech-Butlers

Mit seinem Dienstleistungsroboter für den Pflegebereich gewann Serve Us 100 000 Mark bei einem Businessplan-Wettbewerb. Jetzt suchen die Gründer Kapitalgeber.

Ein Gedanke schoss Anton Gschwendtner durch den Kopf, als er von der Idee der Medizinerin Ratka Cerny hörte: "Das geht sowieso nicht!" Dieses Urteil wäre nicht weiter schlimm, hätte Cerny ihn nicht um Hilfe bei der Gründung ihrer Serve Us GmbH gebeten.

Mittlerweile ist Gschwendtner zweiter Geschäftsführer. Und auch wenn ServeUs noch Kapitalgeber sucht, glaubt der 63-Jährige heute an den Erfolg, denn: "Es gibt ein Produkt, und es gibt einen Markt", sagt der ehemalige Stahlhändler, der bis 1994 bei der Treuhand Abteilungsleiter für die Privatisierung der DDR-Stahlindustrie war.

Dirokol heißt das Produkt, mit dem das im September gegründete Unternehmen das Pflegepersonal in Krankenhäusern und Altenheimen unterstützen will. Dahinter verbirgt sich der "Dienstleistungsroboter in kostengünstiger Leichtbauweise", dessen Prototyp vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt in Oberpfaffenhofen und den Technischen Universitäten München und Erlangen entwickelt wurden. Treibende Kraft war dabei Uwe Hanebeck vom Lehrstuhl für Steuerungs- und Regelungstechnik von Professor Günther Schmidt an der TU München.

Logistische Unterstützung für das Pflegepersonal

"Der Dirokol soll lediglich zur logistischen Unterstützung des Pflegepersonals eingesetzt werden, etwa leere Betten, Blutproben oder Essen transportieren", beruhigt Cerny Skeptiker, die befürchten, dass sie in 30 Jahren ein Roboter aus dem Bett hebt. Die 45-jährige Spezialistin für Neurologie kennt die Vorbehalte. "Aber wir brauchen einen Hightech-Ansatz, um die Probleme in der Pflege zu bewältigen", meint Cerny, die seit 1996 mit Mitteln der Bayerischen Forschungsstiftung nach Wegen sucht, Produkte aus der Automatisierungstechnik in der Pflege einzusetzen. Als sie Mitte der 90er Jahre eine Rehabilitationsklinik in Bayreuth leitete, war ihr bewusst geworden, dass Pflegepersonal mit dem Altern der Bevölkerung zunehmend knapp werde.

Auch das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung prognostiziert, dass bis zum Jahr 2050 auf 100 Menschen zwischen 20 und 65 Jahren zwischen 51 und 57 Menschen über 65 kommen - mehr als doppelt so viel wie bisher. Und die Weltgesundheitsorganisation warnt: "Weltweit gibt es zu wenig Krankenpersonal und Hebammen. Die Krise wird sich weiter verschärfen, wenn sich die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen nicht verändern."

Der drohende Personalmangel könne durch eine Verkürzung des Wehrdienstes noch verstärkt werden, meint Ute Herbst. "Aufgaben wie der Transport von leeren Betten oder Blutproben werden jetzt zum Teil von Zivildienstleistenden oder Hilfskräften übernommen", berichtet die stellvertretende Präsidentin des Deutschen Pflegerats, einem Zusammenschluss von pflegerischen Berufsorganisationen. Herbst sieht deshalb für den Dirokol durchaus einen Bedarf in Pflegeeinrichtungen.

Beachtliches Marktpotenzial

Der Markt ist groß: 1999 gab es in Deutschland rund 2 250 Krankenhäuser und knapp 1 400 Einrichtungen für die Rehabilitation. Mit diesem Marktpotenzial überzeugten Cerny und Gschwendtner auch die Juroren beim Businessplanwettbewerb der Wolfsburg AG, einem Gemeinschaftsunternehmen der Stadt Wolfsburg und VW. Im Juni erhielt das Team, das damals noch Servus hieß, den ersten Preis: 100 000 Mark, mit denen die Gründung finanziert wurde.

Im September wurde die ServeUs GmbH ins Handelsregister Wolfsburg eingetragen. "Servus erinnerte zu sehr an Toilettenpapier und einen österreichischen Wein, der noch dazu nicht besonders gut ist", begründet die gebürtige Pragerin Cerny die Umbenennung.

Mittlerweile hat die AutoVision GmbH, eine Tochter der Volkswagen AG, Interesse signalisiert, sich an ServeUs zu beteiligen. "Die erste Prüfung des Geschäftsplans hat ergeben, dass das Geschäftsmodell noch in einigen Punkten zu optimieren ist", berichtet Frank Fiedler, Geschäftsführer der AutoVision GmbH.

Mit dem Geld von VW und anderen Kapitalgebern möchte ServeUs zunächst seine intelligente Version eines Rollators, einer Gehhilfe mit vier Rädern, weiterentwickeln, die der Marktreife schon näher ist als der Dirokol. PAMM (Personal Aid for Mobility and Health Monitoring) soll Stürze verhindern, indem sie automatisch stoppt, sobald sich der Abstand zum Führer vergrößert. Zudem kann PAMM mit einem Navigationssystem ausgestattet werden und die Lebensfunktionen des Nutzers überwachen.

Roboter soll 2003 serienreif sein

Der Antrieb stammt von der TU München, die übrige Technologie vom "Field and Space Robotics Laboratory" des renommierten Massachusetts Institute of Technology (MIT). "Wir arbeiten direkt mit Serve Us zusammen, damit sie unsere PAMM-Technologie auf den Markt bringen", bestätigt der Institutsleiter Steven Dubowsky auf Anfrage des Handelsblatts.

Bis 2003 möchten Cerny und Gschwendtner die Serienreife und Zulassung erreicht haben. Gschwendtner rechnet jährlich mit mehreren 1 000 Rollatoren, mit denen er die Weiterentwicklung des Dirokol finanzieren will.

"Rollatoren sind der Toprenner unter den medizinischen Hilfsmitteln", berichtet Ulrich Pfefferkorn, Leiter des Hilfsmittel-Logistik-Centers der AOK für den Rhein-Neckar Raum. Allerdings wird PAMM wesentlich teurer sein als ein herkömmlicher Rollator, der etwa 300 Mark kostet. Die Alternative wären Leasingmodelle.

Der Dirokol, der 2004 serienreif sein soll, wird wohl erst in ein paar Jahren die notwendigen Absatzmengen erreichen. Die UN-Wirtschaftskommission für Europa geht aber davon aus, dass in den nächsten zehn bis 15 Jahren Haushaltsroboter zum Familienmitglied werden. Und Toshita Doi, Leiter der Sony-Roboterabteilung, prognostiziert: "Die erste Dekade des 21. Jahrhunderts wird von Robotern dominiert sein."

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