Rochade des Aufsichtsrats
Schmierentheater bei Foris

"Rollmann bitte geh!!!" steht in dicken Lettern im Online-Gästebuch des Foris-Aktionärsclubs. Von "Schmierentheater" und "abgekartetem Spiel" schreibt auch ein gewisser Cato.

dpa BERLIN. Die Kleinaktionäre des börsennotierten Berliner Prozessfinanzierers sind sauer auf den seit kurzem amtierenden Alleinvorstand Christian Rollmann und den Foris-Aufsichtsrat und in der Tat nicht zu beneiden.

Der Neue Markt ist mit dem Fall jedenfalls in der Rubrik "Wie verwirre ich Aktionäre" um eine Variante reicher. Was sich da zwischen dem 29. Mai und der Hauptversammlung zwei Tage später auf Vorstands- und Aufsichtsratsebene abspielte, ist wohl einmalig unter deutschen Börsengesellschaften.

Da wird der Rücktritt eines der beiden Vorstände bekannt gegeben und nur wenig später eine komplette Kehrtwende vollzogen. Der ursprünglich bleiben sollte, wird vor den Aktionären vor die Tür gesetzt, der andere vom selben Aufsichtsrat wieder zurückgeholt und als Alleinvorstand installiert.

Foris sorgte schon vor den jüngsten Querelen für Schlagzeilen. So war es zunächst das erste Unternehmen seiner Art, das 1998 den Gang an die Börse wagte. Ein Verdacht auf Insidergeschäfte im Juni 2000 wurde später entkräftet. Dann ging Foris gerichtlich gegen die umstrittenen Ausschlussregeln für Billigaktien, so genannte Pennystocks, am Neuen Markt vor, ohne selbst betroffen gewesen zu sein.

Am 29. Mai hatte Foris in einer Börsen-Pflichtmitteilung erklärt, dass das Unternehmen künftig nur noch von Unternehmensgründer Lothar Müller-Güldemeister geführt werde und Vorstand Christian Rollmann mit Beginn der Hauptversammlung am 31. Mai sein Amt im Einvernehmen mit dem Aufsichtsrat niederlegen werde. Als Grund wurden Differenzen über die Strategie des mit Verlusten kämpfenden Unternehmens genannt.

Die Hauptversammlung in Bonn zwei Tage später überraschte Aufsichtsratschef Hans Cobet dann mit dem Beschluss, dass Müller- Güldemeister abbestellt und Rollmann wieder bestellt worden sei. Der Firmengründer verließ daraufhin völlig überrascht das Podium.

Hintergrund war offenbar, dass zunächst die Strategie von Müller-Güldemeister beim Aufsichtsrat bessere Chancen hatte. Die sah aus Kostengründen eine Konzentration auf Prozessfinanzierung, nur noch einen Vorstand und die Schließung des Standorts Bonn vor. Rollmann sollte zum Ausscheiden bewegt werden, lehnte dies aber ab.

Als Anreiz wurde Rollmann - offenbar ohne Wissen von Müller-Güldemeister - die Übernahme der profitablen Tochter Foratis angeboten, die so genannte Vorratsgesellschaften verkauft. Rollmann sollte den Kauf teils mit seinen Foris-Aktien bezahlen, was Müller-Güldemeister ablehnte, da er Bargeld benötigte und keinen Aktientausch wollte.

Die Situation eskalierte, die Hauptversammlung rückte näher, plötzlich fand der Aufsichtsrat Rollmanns Konzept besser und setzte den Firmengründer - offenbar ohne Vorwarnung - ab.

Die Aktionäre quittierten das Trauerspiel auf ihre Art: Rollmann und der Aufsichtsrat wurden nicht entlastet, Müller-Güldemeister dagegen ja. Im Gästebuch des Aktionärsclubs meint ein gewisser "RollerBoller": "Rollmann wird seine schimmeligen Foris-Aktien los, hat sich das beste Stückchen Foris mitgenommen und kann die ganze leidige Angelegenheit endlich hinter sich lassen ... wirklich sehr feinfühlig an das Wohl der verbliebenen Aktionäre gedacht."

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