"Rockprinzesschen" gegen "Helmut Kohl"
MTV antwortet Viva mit Regionalisierungsstrategie und Kinofilmen

dpa HAMBURG. Im ständigen Fernduell mit seinem Kölner Konkurrenten Viva hat der Münchner Musiksender MTV eine neue Runde eröffnet. MTV wird in Europa seine Regionalisierungsstrategie fortsetzen und noch in diesem Jahr in Holland und Spanien mit dem Start eines Programms in der jeweiligen Landessprache beginnen. MTV, das zur US-Firma Viacom gehört, plant in Deutschland ferner, sich an Kino-Koproduktionen zu beteiligen und neue deutschsprachige Zeichentrickfilme auszustrahlen. Bis zum Jahresende sollen wesentliche Teile des TV-Programm auch ins Internet rücken.

Nach Angaben von Geschäftsführerin Christiane zu Salm (33), die seit zwei Jahren im Amt ist, soll sich ihr Sender zu einem relevanten Programm entwickeln, "über das in einem anderen Zusammenhang geredet werden kann als immer nur im Vergleich mit Viva". Viva-Chef Dieter Gorny, der mit seinem Unternehmen gerade nach Polen expandierte und in Deutschland an die Börse geht, hatte zu Salm gerne als "Rock- Prinzesschen" bezeichnet, sie ihn als "Helmut Kohl des Musikfernsehens".

Für die Programmerweiterung mit Filmen und Trickfilmen habe die "US-Zentrale" seiner deutschen Tochter einen zweistelligen Millionen- Betrag gewährt, sagte zu Salm. Mit Regisseur Tom Tykwer ("Lola rennt") sei eine Vereinbarung zur Zusammenarbeit getroffen worden. Regisseur Roman Kuhn wird für MTV einen Film über die Love Parade produzieren. Neu im Programm wird es auch eine deutsche Variante der US-Trickserie "Celebrity Deathmatch" geben, in der Harald Schmidt und Boris Becker als Knetfiguren auftauchen.

MTV, seit 1987 in Deutschland vertreten, hat nach der neuesten Allensbacher Werbeträger Analyse (AWA) erstmals den Konkurrenten Viva, der seit 1992 sendet, überholt. Durchschnittlich schauen täglich 4,54 Mill. Zuschauer MTV, Viva sehen 4,37 Mill.. Allerdings verfügt MTV über eine technische Reichweite von 31,3 Mill. Haushalten, bei Viva sind es rund 23 Mill.. Im Herbst will Viva vom Eutelsat-Satelliten auf den Astra-Satelliten wechseln und wird dadurch seine Reichweite erhöhen.

MTV-Deutschland machte 1999 einen Gewinn von 24,6 Mill. nach 26 Mill. DM im Vorjahr. Die Umsätze lagen 1999 bei 80 Mill. DM. Zum Vergleich: Viva und Viva 2 setzten 95,4 Mill. DM um. MTV plant auch laut zu Salm, 50 % seines derzeit nicht rentablen Schwestersenders VH-1 zu verkaufen. Die Verhandlungen mit einem aus Deutschland stammenden Kunden seien weit fortgeschritten.

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