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Röchling steigt bei Rheinmetall aus - Anteile an 75 Investoren

Die Röchling-Familie hat ihre Anteile an Rheinmetall verkauft und ist damit vollständig aus der Rüstungsschmiede ausgestiegen.

dpa-afx MANNHEIM. Die Röchling-Familie hat ihre Anteile an Rheinmetall verkauft und ist damit vollständig aus der Rüstungsschmiede ausgestiegen. Einen neuen Mehrheitseigner gibt es nicht mehr: Der 42,1-Prozent-Anteil sei breit gestreut und an mehr als 75 institutionelle Investoren veräußert worden, teilte Röchling am Montag in Mannheim mit. Finanzkreisen zufolge kassierte die Unternehmerfamilie 37 Euro je Vorzugs- und Stammaktie - ihr Erlös dürfte damit bei rund 561 Mill. Euro liegen. Röchling wollte sich zum Verkaufspreis nicht äußern.

Insgesamt hätten rund 13,267 Mill. Stammaktien (73,7 Prozent des Stammkapitals)- und 1,89 Mill. Vorzugsaktien (10,48 Prozent des Vorzugskapitals) den Besitzer gewechselt, hieß es in der Mitteilung. Laut Finanzkreisen waren die Bücher teilweise überzeichnet. Ein Rheinmetall-Sprecher betonte auf Anfrage, die Aktien seien weder an Industrieunternehmen noch an Private-Equity-Gesellschaften gegangen. "Der Großteil der Investoren kommt aus Europa", sagte er zur Käuferstruktur. Knapp 20 Prozent der Käufer - also etwa 15 Investoren - kämen aus Deutschland.

Rheinmetall Begrüsst Neue Eigentümerstruktur

Der Rheinmetall-Vorstand begrüßte die neue Eigentümerstruktur. Das Unternehmen freue sich auf die "konstruktive Zusammenarbeit mit den neuen Investoren", hieß es in einer Mitteilung. Auch der Markt reagierte positiv auf die abgeschlossene Platzierung. Die Aktie des Rüstungskonzerns kletterten bis gegen 13.00 Uhr um 2,83 Prozent auf 38,15 Euro. Der MDax legte 0,8 Prozent auf 5 280,04 Punkte zu.

"So viele Aktien zu einem solchen Preis zu verkaufen, ist schon bemerkenswert", sagte ein Analyst. Auch Roland Könen vom Bankhaus Lampe bewertete den Verkauf als Erfolg. "Dass die Aktien offensichtlich überzeichnet waren, ist eine positive Nachricht." Die Analysten von Merck Finck & Co rechnen mit einer deutlichen Erholung des Aktienkurses in den kommenden Tagen. Neben der Platzierung der Röchling-Anteile wirkten nach Ansicht der Analysten der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) die guten Quartalszahlen und Konsolidierungsphantasien kursunterstützend.

WEG Frei FÜR Konsolidierung

In der vergangenen Woche hatte Röchling überraschend den Ausstieg aus dem Düsseldorfer Rüstungskonzern angekündigt. Nach Ansicht von Experten wird damit der Weg frei für eine Neuordnung der Heerestechnik-Branche in Deutschland und Europa. "Bislang hat der Umstand, dass sich Rheinmetall in privaten Händen befand, das Unternehmen aus der Konsolidierung der Branche herausgehalten", sagte Alexander Nicoll, Rüstungsexperte beim britischen Forschungsinstitut International Institute for Strategic Studies (Iiss).

Rheinmetall-Chef Klaus Eberhardt sagte am Wochenende in einem Zeitungsinterview, der Konzern sei bereit für Fusionen oder Zusammenschlüsse mit einem anderen Waffenhersteller. Als möglicher Partner wurde am Markt immer wieder der Rüstungskonzern Krauss Wegmann-Maffei (KMW) genannt, mit dem Rheinmetall gemeinsam den Schützenpanzer Puma entwickelt. Noch im Dezember rechnen die Unternehmen mit grünem Licht vom Verteidigungsministerium für einen drei Mrd. Euro schweren Puma-Auftrag. Ein Krauss-Maffei-Sprecher wehrte Fusionsgerüchte am Wochenende ab: "Für uns gibt es keinen konkreten Aktionsbedarf", sagte er einer Zeitung.

Ein Analyst betonte, an der Ausgangssituation für eine Fusion mit KMW habe sich durch den Röchling-Ausstieg nichts geändert. Rheinmetall habe sich schon immer offen dafür gezeigt - KMW bremse einen solchen Schritt, weil die Familie Bode als Mehrheitseigner die operative Tätigkeit nicht aufgeben wolle. Neben der Familie Bode hält Siemens 49 Prozent an KMW. Früher oder später werde es jedoch zu einem Zusammenschluss kommen, heißt es am Markt. Bankhaus- Lampe-Analyst Könen geht dann davon aus, dass Rheinmetall dann eine "aktive Rolle" spielen werde.

Aktienumwandlung

Rheinmetall hatte vor dem Hintergrund der sich verändernden Aktionärsstruktur angekündigt, Vorzugsaktien in Stammaktien umwandeln zu wollen. Dadurch sei eine deutlich höhere Gewichtung der Aktie im MDax zu erwarten. Eine Entscheidung über die Umwandlung soll spätestens auf der Hauptversammlung im Mai 2005 fallen. Derzeit ist das Grundkapital in 36 Mill. nennwertlose Stückaktien aufgeteilt - je 18 Mill. Stamm- und Vorzugsaktien.

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