Rohner erwartet keine Belebung des Werbemarktes
Pro Sieben Sat1: Schwächephase dauert an

Im krisengeschüttelten deutschen Fernsehwerbemarkt gibt es nach den Worten von Pro Sieben Sat1-Chef Urs Rohner auch nach den ersten drei Monaten des neuen Jahres weiter keine Anzeichen für eine Erholung. "Das erste Quartal war schwach, und das zweite wird auch kein starkes sein", sagte Rohner am Mittwoch in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters.

Reuters MÜNCHEN. Diese Aussage gelte sowohl für den deutschen TV-Werbemarkt als auch für das Geschäft der Senderfamilie Pro Sieben Sat1 Media AG, die 97 Prozent ihres Umsatzes aus Werbeeinnahmen generiert. Schätzungen zufolge werde der TV-Werbemarkt in Deutschland 2002 bestenfalls stagnieren, wenn nicht sogar erneut schrumpfen.

Pro Sieben Sat1 rechnet beim Umsatz mit einer besser als der Markt liegenden Entwicklung. Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (Ebitda) werde 2002 voraussichtlich auf Vorjahreshöhe liegen. Rohner rechnet erst ab dem vierten Quartal mit einer Marktentwicklung über der des Vorjahres. Wegen der Anschläge vom 11. September war das vierte Quartal 2001 aber auch sehr schwach gewesen.

Der Schweizer Vorstandschef gab sich damit etwas pessimistischer als im Februar bei der Veröffentlichung der Zahlen für das Jahr 2001, in dem die Betreibergesellschaft der vier Sender ProSieben, Sat.1, Kabel 1 und N24 einen Einbruch beim Jahresüberschuss von 30 Prozent verbuchte. Damals hatte er - für den Fall, dass sich der TV-Werbemarkt in der zweiten Jahreshälfte leicht erholen sollte - zumindest prozentual einstellige Wachstumsraten bei Umsatz und Vorsteuerergebnis in Aussicht gestellt.

Transparenz fast gleich Null

"Die Transparenz der Märkte ist aber fast gleich Null. Wer etwas anderes behauptet, ist entweder ein Seher oder ein Scharlatan", erläuterte Rohner in dem Interview die Unsicherheit.

Beim deutschen TV-Werbemarkt, der schon im vergangenen Jahr um sieben bis acht Prozent zurückgegangen war, sei 2002 "von Null bis minus fünf Prozent alles drin."

Die Senderfamilie werde aber sicher besser abschneiden als der Markt. Schon im ersten Quartal 2002 habe Pro Sieben Sat1 ihren Anteil am deutschen TV-Werbemarkt um zwei Prozentpunkte auf 47 Prozent ausgebaut. "Wenn der Markt aber tatsächlich fünf Prozent schrumpfen sollte, dann wird es für uns schwer, in diesem Jahr ein Umsatzwachstum zu generieren", so Rohner.

Von der Insolvenz der Muttergesellschaft KirchMedia sei die profitable Senderfamilie nicht direkt betroffen, betonte Rohner erneut. Die Senderfamilie hatte im vergangenen Jahr rund 40 Prozent ihres Programmes mit Produktionen und Filmrechten von KirchMedia bestückt. Über mögliche neue Mehrheitsgesellschafter bei Pro Sieben Sat1 zerbreche er sich nicht den Kopf, sagte Rohner.

N24 nicht verkaufen

Rohner trat Spekulationen entgegen, wonach die Sendergruppe sich von dem defizitären Nachrichtenprogramm N24 trennen könnte. "Der Markt für Nachrichtensender ist nicht einfach, aber es gibt keine Pläne, N24 zu verkaufen." N24 sei als Kompetenzzentrum für Nachrichten in die gesamte Sendergruppe integriert. Eine Herauslösung mache keinen Sinn.

Für die Nachrichtenagentur ddp, an der Pro Sieben Sat1 über die KirchIntermedia knapp zur Hälfte beteiligt ist, könne er sich einen strategischen Partner vorstellen. Genauere Details wollte Rohner aber nicht nennen.

Das im MDax gelistete Unternehmen will seine Zahlen für das erste Quartal am Montag vorlegen.

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