Rohölpreise steigen
Kaum Chancen auf sinkende Benzinpreise

Für die von hohen Benzinpreisen gebeutelten deutschen Autofahrer bleiben die Aussichten voraussichtlich trübe. Schon jetzt lägen die Rohölpreise am Rotterdamer Markt für Juni höher als für Mai, sagte der Sprecher der Esso Deutschland GmbH, Karl-Heinz Schult-Bornemann, am Freitag in Hamburg.

ddp/vwd HAMBURG. Hinzu komme, dass die mit einer stärkeren Nachfrage nach Kraftstoff verbundene Reisesaison erst noch bevorsteht.

Die Preise für Benzin seien am Spot-Markt in Rotterdam seit Jahresbeginn um 100 $ pro Tonne gestiegen, davon allein über 50 $ seit Anfang April. Schult-Bornemann verwies darauf, dass der Benzinpreis in dieser Zeit doppelt so stark kletterte wie der Rohölpreis. Die Produkte hätten sich damit "ganz klar vom Rohölpreis abgekoppelt".

Der Esso-Sprecher machte für diese Entwicklung verstärkte Käufe aus Amerika verantwortlich. Er verwies auf Angaben des American Petroleum Institute, wonach die privaten Lagervorräte in den USA bei Benzin so niedrig sind wie seit 30 Jahren nicht mehr. Die seit Jahren zu beobachtende Tendenz, die Lagerhaltung so gering wie möglich zu halten, um kein gebundenes Kapital zu haben, habe sich jetzt bei Benzin "ganz eklatant ausgewirkt", betonte er. Bereits im vorigen Jahr habe es in den USA Engpässe in der Benzinversorgung gegeben. Dem hätten die Händler in den USA in diesem Jahr offenbar vorbeugen wollen, indem sie schon vor Beginn der Reisesaison Benzin orderten. Diese Nachfrage habe den Preis in die Höhe getrieben. Benzinmangel gebe es deshalb aber nicht. In Europa produzierten eine Reihe von Raffinerien für den Export in die USA.

Isolierte Entwicklung auf dem Benzinmarkt

Schult-Bornemann sagte, es sei ein fataler Kreislauf, dass der Benzinpreis-Anstieg wiederum die ohnehin schon erhöhten Rohölpreise weiter in die Höhe treibt. Schließlich kurbele die verstärkte Benzinnachfrage die Produktion an, für die Rohöl benötigt werde. Ausschlaggebend für die jetzt zu beobachtende Preisentwicklung an den Tankstellen sei die "isolierte Entwicklung" auf dem Benzinmarkt. Bei einem Steuersockel von fast 1,50 DM pro Liter Benzin machten sich Preisbewegungen bei Treibstoff von 60 auf 70 Pfennig allerdings besonders deutlich bemerkbar, sagte der Experte mit Blick auf das derzeitige Preislevel von über 2,20 DM.

Die Vermutung, dass es zwischen den auf dem deutschen Markt agierenden Mineralölkonzernen Preisabsprachen gibt, wies Schult-Bornemann zurück. Wahr sei allerdings, dass sich die einzelnen Tankstellen untereinander "regelrecht belauern". Allerdings verteure niemand sein Produkt aus Spaß, weil er dann immer weniger Absatz habe.

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