Rohstoff-Hausse ohne Ende?
Verlassen Sie sich nicht auf Prognosen!

Es geht – gerade jetzt – wieder einmal um die Frage, wohin die Börse geht. Denn die wichtigsten Märkte präsentieren sich unter Wahrung gesunder Verschnaufpausen in guter Kondition, obwohl die skeptischen Stimmen im Zuge neuer Ölpreisrekorde seit einigen Tagen wieder lauter werden.

Nur an dieser Stelle haben Zweifler offenbar keine Chance, denn von allen Seiten wird den Rohstoffen eine Hausse ohne Ende bescheinigt nach dem Motto „Ein Super-Mega-Trend dank China“. Stört es uns wirklich nur an den Zapfsäulen, wenn die internationalen Rohölnotierungen auf (bis vor kurzem noch unfassbare) 100 Dollar je Fass zusteuern, die jetzt überschrittene 75-Dollar-Marke nur eine Durchgangsstation war, weil Analysten dann noch viel, viel höhere Zahlen schreiben? In meinem Magen steigt das Unbehagen.

„Stellen Sie sich auf das Unerwartete ein!“ Dieser als Warnung vor Übermut formulierte Appell eines erfahrenen Schweizer Vermögensverwalters ist zwar berechtigt, hilft aber den Unentschiedenen auch nicht weiter.

Gleichzeitig ist das unzufriedene Kopfschütteln einer guten Bekannten über die unklare Orientierung durch „Experten“ nachvollziehbar: Einerseits kann man nämlich inzwischen häufiger eben von Warnungen vor den Folgen steigender Ölpreise, steigender Inflation und steigender Zinsen lesen – dann aber setzen sich die Märkte doch wieder darüber hinweg, geht es mit den Aktienkursen weiter aufwärts. Es zeigt sich heute mehr denn je, wie sinnlos (weil ständig korrekturbedürftig) langfristige Prognosen von mehr als einem Jahr geworden sind; man sollte sie deshalb nur noch als denkbare Szenarien ansehen. Zwei Möglichkeiten seien hier – stark vereinfachend – skizziert.

Variante 1: Die Weltwirtschaft wächst weiter kräftig (um über 4 %), voraussichtlich auch 2007. Auch hierzulande, wo sich ja längst ungewohnter Konjunkturoptimismus breit gemacht hat, geht es aufwärts, wenn auch viel flacher. Davon profitieren die meisten Unternehmen in Dax & Co., zumal ihre Börsenbewertung noch nicht (zu) hoch ist. Steigende Rohstoffpreise werden alles in allem gut verkraftet, der Wiederanstieg von Inflation und Zinsen hält sich in engen Grenzen. Konsequenz: Europäische Aktien bleiben attraktiv.

Variante 2: Rohstoff- und Energiepreise, aber auch andere Gründe tragen zu einer im schon Jahresverlauf 2006 spürbaren Verlangsamung des Konjunkturtempos bei. Zugleich nimmt die weltpolitische Unsicherheit zu, führt eine enttäuschende Wirtschaftspolitik mit Kurs in Richtung höhere Steuern in Deutschland zur allgemeinen Stimmungsverschlechterung. Konsequenz: Die Börse wird zunehmend nervös, ab dem zweiten Halbjahr drohen Kursrückschläge.

Verlassen Sie sich auf nichts, schon gar nicht auf Prognosen! Sie kommen nicht daran vorbei, selbst die Entscheidung für Ihre Geld-Strategie zu treffen. Vergessen Sie dabei aber auch nicht, dass es nicht nur die Alternativen Kaufen, Halten und Verkaufen gibt; man muss auch abwarten und zuschauen können – oder sein Geld ausgeben.

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