ROHSTOFF UNTER DER LUPE
Knappes US-Erdgasangebot treibt die Preise

Der US-Erdgasmarkt ist in Turbulenzen geraten. Im Februar waren die Preise zeitweise dreimal so hoch wie zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Die Folge: Einige stark energieabhängige Industriezweige haben ihre Produktion in Nordamerika bereits eingestellt. Analysten warnen vor einer langfristig bestehenden Verknappungsgefahr.

FRANKFURT/M. Der starke Preisanstieg am US-Erdgasmarkt ist weniger eine Folge des Irak-Kriegs als vielmehr der schwindenden Erdgasvorkommen in Nordamerika. "Die Ausbeutung der Vorkommen schreitet wesentlich rascher voran als dass neue Vorkommen entdeckt und erschlossen werden", sagt Wayne Andrews, Energie-Analyst des Finanzhauses Raymond James & Associates. Die Preise für Erdgas kletterten am 25. Februar an der Terminbörse Nymex in der Spitze auf 9,58 $ je mmBtu (Million British termal units). Damit lagen sie fast drei Mal so hoch wie zum gleichen Zeitraum des Vorjahres. Eine Kilowattstunde entspricht umgerechnet 0,003412 mmBtu.

Geschockt durch diese Preisexplosion haben Rohstoff-Analysten ihre Prognosen für das laufende Jahr und das Jahr 2004 weiter nach oben geschraubt. Der Consensus - also die durchschnittliche Preisprognose der nordamerikanischen Rohstoff-Analysten - liegt nach mehreren Anhebungen für das Jahr 2003 derzeit bei 4,40 $ / mmBtu. Einige Fachleute sehen dies noch immer als zu niedrig. Patricia M. Mohr, Rohstoff-Analystin der Scotiabank Group in Toronto und Wayne Andrews glauben, dass sich die Erdgaspreise dauerhaft auf einem höheren Niveau zwischen 4 und 6 $ je mmbtu einpendeln. Während des Zeitraums von 1986 bis 1999 schwankte der Preis für Natural Gas in den USA zwischen rund 1,00 und 2,50 $.

Patricia Mohr prognostiziert für 2003 und 2004 einen durchschnittlichen Nymex-Preis für Naturgas von 5 $ je mmBtu. Wayne Andrews sieht die Verknappungserscheinungen im laufenden Jahr wesentlich dramatischer. "Wir haben unsere Durchschnittsprognose für 2003 jetzt auf 6 $ angehoben", sagt er. Der Markt müsse sich auf diesen Preisanstieg selbst dann einstellen, wenn es nicht zu einer nachhaltigen Erholung der US-Wirtschaft komme. Die Möglichkeit einer Verknappung im Sommer wird auch von Ed McKelvey von Goldman Sachs aufgezeigt. Dieses Finanzhaus erwartet für den Sommer dieses Jahres einen durchschnittlichen Preis von 6,60 $ mmBtu.



Wie ernst die vom Erdgasmarkt kommenden Probleme für die US-Wirtschaft sind, zeigt sich auch daran, dass einige Industriezweige ihre Produktion auf dem nordamerikanischen Kontinent bereits eingestellt und in andere Regionen der Welt verlagert haben. Erdgas wird vor allem in den Branchen Chemie, Öl- und Kohleverarbeitung, Papier, Nahrungsmittel und Metalle verbraucht.

"Wegen der hohen Energiepreise wurden allein im Februar weitere 58 % der Ammoniak-Düngemittelkapazitäten auf dem nordamerikanischen Subkontinent geschlossen", sagt Patricia M. Mohr. Bereits Anfang 2001 war die Produktion in wichtigen US-Industriezweigen wegen der stark gestiegenen Erdgaspreise bereits einmal unterbrochen worden "Die Düngemittel- und die Aluminiumhersteller haben den Produktionsstandort Vereinigte Staaten bereits verlassen und werden wohl nicht so rasch zurückkehren", weist Andrews auf die makroökonomischen Folgen der Gaspreis-Hausse hin. Die Düngemittelproduzenten der USA verbrauchen rund 4 % der Gasproduktion.

"Das Gasangebot am nordamerikanischen Markt fällt weiter dramatisch", begründet Andrews. Der Rückgang in den USA liege derzeit bei 6 % pro Jahr. Jahr für Jahr müssten in den USA mehr Bohrlöcher niedergebracht werden, solle die Produktion auf dem aktuellen Niveau gehalten werden. "Wir können auch nicht auf Kanada zählen", sagt Andrews. Denn auch in Kanada - dem wichtigsten Gas-Lieferanten der USA - sei die Gasproduktion rückläufig. Sollten die USA in der Saison 2003/2004 normale Winter-Temperaturen erleben, könne sich am Gasmarkt eine Krise entwickeln, warnt Andrews.

Quelle: Handelsblatt

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