Rohstoff unter der Lupe
Sinkende Vorräte stützen Bleipreise

Am Bleimarkt zeichnet sich erstmals seit drei Jahren eine Angebotslücke ab. Analysten prognostizieren daher einen Anstieg der Notierungen; in den ersten drei Monaten hat der Preisverlauf allerdings erst einmal enttäuscht. Zum wichtigen Spieler am Welt-Bleimarkt wird zunehmend China.

LONDON. Der Preisverlauf bei Blei hat seit Jahresbeginn manch einen der Marktteilnehmer enttäuscht, die zuvor auf höhere Notierungen gehofft hatten. Marktkenner gehen allerdings - ungeachtet der ungewissen Wirtschaftslage - von einem nachhaltigen Preisanstieg für das Metall in den Jahren 2003 und 2004 aus. Haupteinsatzgebiet des Buntmetalls Blei ist der Batteriesektor. Dieser nimmt rund 75 Prozent der gesamten Angebotsmenge ab.

Nach den Berechnungen von Ingrid Sternby von Barclays Capital könnte sich in diesem Jahr erstmals seit drei Jahren wieder ein Produktionsdefizit am Welt-Bleimarkt auftun. Gründe dafür sind das anhaltend knappe Angebot an Bleikonzentrat, die Kapazitätsstilllegungen im Hüttenbereich und die neuerlich sinkenden Exporte Chinas. Die Londoner Economist Intelligence Unit, EIU, rechnet für das laufende Jahr zwar noch mit einen kleinen Überschuss, für das Jahr 2004 erwarten allerdings auch die EIU-Experten im Zuge der Belebung der Weltwirtschaft ein Defizit.

An der Londoner Metallbörse (LME) sinken die Bleivorräte bereits seit längerem. Allein seit Beginn dieses Jahres sind die LME-Vorräte um weitere 13 000 auf 171 000 t geschrumpft.

John Lennon, Analyst bei Maquarie Research, hatte bereits im Januar die Hoffnungen der Blei-Haussisten beflügelt und geschrieben: "2003 ist das Jahr für Blei". Lennon rechnet wegen der sich abzeichnenden Angebotslücke für das laufende Jahr mit einem Anstieg des Kassapreises an der Londoner Metallbörse auf 507 Dollar je Tonne (t). Im Jahr 2002 hatten die Notierungen durchschnittlich bei 452 Dollar gelegen. Am gestrigen Mittwoch notierte Kassaware an der LME mit 451 Dollar, der Dreimonats-Kontrakt mit 461 Dollar. Im Vorfeld des Krieges gegen den Irak sind in den zurückliegenden Wochen sämtliche Metalle an der LME unter Druck geraten. Etwas vorsichtiger ist Barclays Capital. Die Analysten gehen für 2003 von einen Durchschnittspreis von 479 Dollar aus. Für das kommende Jahr erwarten sie dann aber sogar einen einen Anstieg der Notierungen auf 511 Dollar je Tonne.

Nach Angaben der Internationalen Studiengruppe für Blei und Zink, ILZSG, hat sich das Bergbauangebot von Bleikonzentraten im Jahr 2002 um 8,4 Prozent auf 2,74 Mill. t verringert. Der Ausstoß von Hüttenblei vermochte sich dagegen mit 6,56 Mill. t noch weitgehend zu behaupten. Der Grund dafür ist das bereits seit längerem rückläufige Aufkommen an Bleikonzentrat. Dieser Rückgang hat nach Einschätzung von Experten bislang kaum Auswirkungen auf das Hüttenangebot am Weltmarkt gehabt, weil der Einsatz von Bleischrott in dem Produktionsprozess schon seit Jahrzehnten stetig zunimmt. Dessen Anteil an der Erzeugung von raffiniertem Blei ist seit 1973 in den westlichen Industrieländern von 32 Prozent auf inzwischen 58 Prozent gestiegen. Doch, und darüber zeigt sich jetzt sogar die ILZSG überrascht: "In den letzten zwei Jahren hat sich die rückläufige Bergbauförderung von Konzentraten erstmals auf die Bleiproduktion ausgewirkt".

Damit wird für Marktbeobachter der Blick auf China noch interessanter. In dem asiatischen Riesenreich entstehen derzeit fünf der sieben größten Hüttenprojekte in der Welt. Dies betrifft sowohl Erweiterungen als auch Neueröffnungen. Elf weitere Komplexe mit einer Produktion von insgesamt 500 000 Jahrestonnen befinden sich im Stadium der Vorplanung; dies ist mehr als in der übrigen Welt zusammen genommen.

Der Markt versucht nach Ansicht von Londoner Analysten schon jetzt abzuschätzen, wie viel der neuen Produktionsmengen den Eigenbedarf decken oder in den Export überschwappen werden. John Lennon und Ingrid Sternby rechnen einstweilen noch mit einer Fortsetzung des zuletzt rückläufigen Trends chinesischer Bleiausfuhren. Per Saldo verringerten sich diese 2002 um immerhin 15 Prozent auf 364 000 t, womit sie knapp sieben Prozent des westlichen Bedarfs deckten. 2003 sollen es ebenfalls kaum mehr als 360 000 bis 380 000 t werden.

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