Rohstoffwerte laufen einer Erholung voraus
Analysten sehen Metallaktien positiv

Die weltweit operierenden Minengesellschaften haben in den vergangenen Jahren ihre Strukturen optimiert. Die Konsolidierungswelle rollt weiter und sorgt für zusätzliche Kurschancen.

FRANKFURT/M. Wer sich auf Metallaktien einlässt, der muss global denken. Streiks von Minenarbeitern, die Entdeckung neuer Vorkommen oder aber die Lagerbestände der Londoner Metallbörse bewegen die Kurse und werden von den Analysten aufmerksam verfolgt. Aber wenn auch die Nachrichtenbeschaffung mühsam ist, so könnte sich der Aufwand gerade in der momentanen Situation der Weltkonjunktur doch lohnen.

"Rohstoffaktien springen in der Regel sechs bis neun Monate vor einer wirtschaftlichen Erholung an. Wenn man den Aufschwung auf das zweite oder dritte Quartal im nächsten Jahr terminiert, dann könnte man jetzt vielleicht einsteigen", meint DWS-Fondsmanager Pierre Martin. Wer auf Metalle setzen wolle, der sei mit den breiter aufgestellten Konzernen wie Rio Tinto, Anglo American und BHP Billiton gut beraten. "Diese Unternehmen haben in den vergangenen Jahren umstrukturiert und ihre Kosten reduziert, sie arbeiten jetzt viel effizienter als früher", sagte der Branchenkenner.

Allerdings haben sich die Titel durchweg schon ein gutes Stück von ihren Tiefstständen im September erholt, so dass sie nicht mehr ganz so günstig erscheinen. Martin sieht aber auch in der Konsolidierungswelle der Branche noch Kurschancen. Tatsächlich hat sich das Übernahmekarussell in jüngster Zeit wieder schneller gedreht, man denke nur an die Fusion von BHP und Billiton oder an das Übernahmeangebot von Anglo Gold für Normandy Mining.

Im Sektor der Nicht-Eisen-Metalle (NE) gefällt Petra Kühl, Managerin des DIT-Fonds für Rohstoffaktien, auch der Aluminiumproduzent Alcoa. Der Konzern überzeuge als Marktführer und vom Management her und sei "als Basisinvestment auch für schlechte Zeiten" geeignet.

Die Besonderheit bei den Metallaktien bestehe darin, dass die Angebotsseite viel stärkere Beachtung finde als bei anderen Papieren. Produktionskürzungen können die Kurse nach oben treiben, wie etwa jüngst beim Kupferproduzenten Phelps Dodge, der eine Reduzierung der Produktion um ein Drittel angekündigt hatte. Oftmals sei es aber schwierig, die Angebotsseite richtig einzuschätzen, weil etwa die Produktion und die Exporte aus Russland und der VR China unberechenbar seien, sagt Kühl.

Norilsk Nickel etwa behandelt seine Reserven als Staatsgeheimnis, weshalb das Papier für sie nicht in Frage komme. Zurückhaltend ist Fondsmanagerin Kühl gegenwärtig bei den Platin- und Palladiumproduzenten. Beide Sektoren seien in der Vergangenheit gut gelaufen, stünden im Augenblick jedoch nicht im Mittelpunt des Interesses. Die Metalle finden Einsatz in Kfz-Katalysatoren. Platin wird auch für Brennstoffzellen verwendet. Zu den dominierenden Anbietern zählten hier Lonmin und Impala, die beide in Südafrika fördern. Die Kaprepublik besitzt rund zwei Drittel der weltweiten Vorkommen.

Vom deutschen Kurszettel gerät lediglich die Norddeutsche Affinerie öfter auf den Radarschirm der Analysten. SG Equity Research gab zuletzt eine Halteempfehlung ab. Der niedrigere Kupferverbrauch angesichts der rezessiven Weltkonjunktur werde durch die Schließung von Kupferschmelzen kompensiert, so dass sich diese Faktoren in etwa gegenseitig aufheben dürften, heißt es in der Studie.

Sieht man sich die Kursbilder der Metallaktien in den vergangenen Tagen an, so sind viele Titel durch Gewinnmitnahmen gebremst. Wer an den Aufschwung für 2002 glaubt, der kann jetzt an schwachen Tagen bei den Marktführern zugreifen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%