Roland Koch wird 50
„Gefühltes Alter: knapp unter 40“

Am kommenden Montag feiert Roland Koch seinen 50. Geburtstag - Ein müder Knochen ist er damit noch lange nicht. Während vor wenigen Wochen noch alles nach einer traurigen Geburtstagsparty aussah, richten sich heute wieder alle Blicke auf den hessischen CDU-Chef.

WIESBADEN. Am Montag wird er 50 Jahre alt, und noch vor wenigen Wochen sah es nach einer traurigen Geburtstagsfeier aus: Die verlorene Landtagswahl, zwölf Prozent minus für die hessische CDU, eine linke Mehrheit im Landtag. Das Aus für Roland Koch schien eine Frage von Tagen zu sein. Doch der hessische Ministerpräsident ist zurück im Spiel, entschlossen, alle Register seines Könnens zu ziehen, um die hessischen Verhältnisse für sich zu nutzen.

Mit dem Älterwerden habe er kein Problem, sagte Koch in einem Interview. Sein gefühltes Alter liege knapp unter 40: "Ich muss mich manchmal selbst daran erinnern, dass Jüngere mich schrecklich alt finden." Noch immer ist Koch einer der jüngsten Ministerpräsidenten - 13 der 16 Länderchefs sind älter als er. Dennoch ist er nach neun Jahren im Amt zugleich der dienstälteste Ministerpräsident, den die Union aufzubieten hat. Und er ist entschlossen, es zu bleiben.

Der Jubilar ist ein politischer Überlebenskünstler. Seine Karriere trägt durchaus Züge einer Achterbahnfahrt, mehrfach schien er ganz unten zu sein. Doch Ausdauer, Gerissenheit und Stehvermögen haben ihn stets wieder nach oben gebracht. 1999 kam er mit einer umstrittenen Kampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft in Hessen an die Macht. Danach war er der Held der Union. Knapp ein Jahr später drohte die gesamte CDU im Skandal um millionenschwere schwarze Kassen der hessischen Landespartei zu versinken. Da war Koch der Buhmann der Nation.

Derzeit ist es ähnlich. Nach der Hessenwahl als Verlierer abgestempelt, richten sich jetzt wieder die Blicke auf den Mann mit der Silbertolle. Denn Koch verfügt so lange über den hessischen Staatsapparat, bis der Landtag einen anderen Ministerpräsidenten gewählt hat - und danach sieht es derzeit nicht aus. Oft ist er mit Helmut Kohl verglichen worden, der schwierige Phasen und medialen Gegenwind auszusitzen pflegte. Doch anders als Kohl versucht Koch Krisen nicht einfach vorbeiziehen zu lassen. Im Gegenteil - man könnte fast glauben, er lebt in Krisen auf, weil sie ihn fordern.

Der Mann ist ein entschlossener Reformer. In den neun Jahren seiner Amtszeit hat er versucht, den öffentlichen Sektor Hessens durchgreifend zu modernisieren. Koch privatisierte erstmals in Deutschland zwei Unikliniken und führte die kaufmännische Buchführung in der Landesverwaltung ein. Ausgaben wurden massiv beschnitten, um den Anstieg der Schulden zu bremsen. Einer umfassenden Reform unterwarf er die Schulen. Von den Erstklässlern bis zu den Abiturienten wurde praktisch kein Bereich ausgespart.

Kochs Reformeifer machte den Ministerpräsidenten zu einem Liebling der Wirtschaft, provozierte jedoch erheblichen Unmut bei den Betroffenen. Vor allem in den vergangenen Jahren neigte Kochs Administration dazu, Widerstände mit der absoluten CDU-Mehrheit im hessischen Landtag niederzubügeln. Als die Tarifverhandlungen für die rund 50 000 Arbeiter und Angestellten im Landesdienst 2007 scheiterten, ließ Koch die Löhne und Gehälter einfach per Gesetz erhöhen. Das hatte es seit der Weimarer Republik nicht mehr gegeben.

Nach dem vorerst gescheiterten Versuch von SPD-Landeschefin Andrea Ypsilanti, sich mit Hilfe der Linken zur Ministerpräsidentin wählen zu lassen, darf Koch als geschäftsführender Regierungschef nun auf unbestimmte Zeit weitermachen. Die hessische Verfassung will es so. Er macht es nicht ungern: "Ich betrachte die Aufgabe, eine geschäftsführende Landesregierung zu führen als eine selbstverständliche Pflicht."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%