Rolf Krebs, Sprecher der Unternehmensleitung von Boehringer Ingelheim: Krebs: "Im Kampf gegen Aids müssen wir die Aufmerksamkeit der Staatschefs erreichen"

Rolf Krebs, Sprecher der Unternehmensleitung von Boehringer Ingelheim
Krebs: "Im Kampf gegen Aids müssen wir die Aufmerksamkeit der Staatschefs erreichen"

Warum fahren Sie zum WEF?

Ich besuche das Forum, weil es sehr viele Kontaktmöglichkeiten innerhalb und außerhalb meiner Industrie in einem sehr konzentrierten Zeitraum bietet.

Der Health Governors? Tag, ein Spezialmeeting der am Gesundheitssystem beteiligten Industrien, bietet die Möglichkeit, Trends und aktuelle Fragen zu besprechen und mit hochrangigen Politikern Lösungsansätze anzustoßen. Dies war für mich besonders in der Zeit als Präsident des Europäischen Pharmaverbandes als auch später des Internationalen Verbandes wichtig.

Das Forum selbst hat mehr und mehr gesundheitspolitische Aspekte, vor allem in der Dritten Welt, aufgenommen und ist von daher für mein Unternehmen, das sich sowohl an der Accelerated Access Initiative beteiligt als auch mit einem eigenen Donation Programm für die Indikation Mutter-zu-Kind-Übertragung von Aids während der Geburt, bedeutsam. Wichtig ist dabei, die Meinung der Führer der Dritten Welt direkt zu hinterfragen, was durch den engen Kontakt im Forum ohne Probleme möglich ist.

Was hat Sie dieses Jahr besonders erstaunt?

Beim diesjährigen Forum hat mich am meisten die Stellungnahme meiner amerikanischen Kollegen zu Fragen der Unternehmensführung erstaunt. Erstmalig wurden Probleme wie Trennung von Aufsichtsrat und Vorstand, Überwachung der Sauberkeit von Bilanzen, die Bedeutung von Patenten zur ökonomischen Entwicklung sowie die Kritik zu hoher Managergehälter diskutiert.

Was haben Sie dieses Jahr an Einsichten mit nach Hause genommen?

Als Lerneffekte sind zu erwähnen:

  • Offene Adressierung der Ursachen der bedrohlichen Parallelimporte in Europa für Pharmaka durch die Kommission. Hier wurde ein Vorschlag der G10 Kommission diskutiert, nach dem pharmazeutische Unternehmer mit eigenem festgesetzten Preis für ihre Produkte nach der Registrierung in den Markt gehen können und danach Rabattverhandlungen mit dem Versicherungssystem der Länder durchführen.
  • Eine sehr offene Diskussion mit dem Generaldirektor der WTO drehte sich um Lösungsansätze für die gegenwärtig laufenden TRIPS Verhandlungen. Darin wurde klar, dass die Verhängung einer Zwangslizenz bei einer wie immer beschriebenen Krise aus zeitlichen Gründen schwerlich zur Lösung der Probleme taugt. Erfahrungen in Südafrika zeigen, dass die Übertragung einer freiwilligen Lizenz an einen Generikahersteller ein fertiges Produkt erst nach eineinhalb bis zwei Jahren entstehen lassen. Selbst die von Boehringer Ingelheim angebotene Lösung, die registrierte Bulkware des Originalprodukts dem Generikahersteller zur Verfügung zu stellen, führt nicht zu einer Beschleunigung des Prozesses, weil erneut eine Registrierung formal erteilt werden muss.
  • Bei der Betrachtung der Hilfestellung für die Dritte Welt durch die pharmazeutische Industrie ist in Davos klar geworden, dass die Infrastruktur der Länder größer ist als gegenwärtig genutzt wird. Wir müssen daher die Zusammenarbeit mit Nichtregierungsorganisationen erweitern durch eine Zusammenarbeit mit den Staaten selbst. Dies bedeutet, dass wir die Aufmerksamkeit auf dem Level der Staatschefs für die Behandlung von Aids erreichen müssen.
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%