Rollenfindung
Joschka Fischer: Ankommen im Hier und Jetzt

Der ehemalige Bundesaußenminister hat mit seinem Abgang aus der Grünen-Führungsriege eine große Lücke hinterlassen. Nur langsam findet er seine Rolle außerhalb der großen Politik. Ausgerechnet Angela Merkel hilft ihm dabei.

WASHINGTON. Als Lee Feinstein den Gastredner vorstellt, setzt dieser sein Jetzt-hört-mir-mal-gut-zu-Gesicht auf. Joschka Fischers Mund wird schmal, die Augen ziehen sich zu Stecknadeln zusammen und rund um die Schläfen legt sich ein Faltenrelief. Es geht in der Tat ernst zu an diesem Mittag in der feinen Amerikanischen Gesellschaft für Internationales Recht im Washingtoner Tillar House. Auch, weil Lee Feinstein nach wenigen Minuten einen wunden Punkt beim ehemaligen deutschen Außenminister erwischt. Der Kosovo-Einsatz der Nato 1999 erinnert der Einführende, sei ohne Mandat erfolgt.

Weil dabei jeder der Zuhörer an den ebenfalls mandatslosen Irak-Krieg denkt, ist der Ex-Vizekanzler herausgefordert. Also erläutert Fischer noch einmal den Unterschied und erzählt von den Vergewaltigungen, den Morden und der Folter, die im Kosovo unverzüglich gestoppt werden mussten.

Doch erst mit der Fragerunde kommt Fischer richtig in Fahrt. Für Augenblicke öffnet er sogar sein Inneres, erzählt davon, wie seine Amerikaliebe begann, von amerikanischen GI's, von der Musik des AFN, von Bob Dylan statt Karl Marx. Vor allem die Journalisten wollen vom Grünen wissen, was er über die politische Großwetterlage denkt. Iran, Irak, Russland - Fischer will eigentlich gar nicht den Außenminister geben, ruft einmal verzweifelt "Ist das hier etwa eine Pressekonferenz", doch schließlich fügt er sich ins Unvermeidliche. "Diplomatie ist nicht erst dann wichtig, wenn's gefährlich wird", sagt er über die Entwicklung mit Teheran. Er rät, "Russland nicht zu isolieren". Und als es um den Irak geht, verweist er vehement auf die amtierende Bundesregierung: "Fragt doch die, die sind doch auch hier."

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