Rollentausch im Torwart-Duell
Statt Kahn sieht Lehmann „rot“

Auf ihr Duell waren alle gespannt, aber mit diesem Rollentausch der Nationaltorhüter konnte keiner rechnen. Nicht der nervlich angeschlagene Oliver Kahn rastete beim emotionalen Gipfel zwischen Bayern und Dortmund aus, sondern Jens Lehmann sah "rot".

HB/dpa MÜNCHEN. Der 32-Jährige zog mit seinem dritten Bundesliga-Platzverweis mit seinem Erzrivalen Kahn gleich, fühlte sich jedoch nach der 1:2-Niederlage der Borussia als unschuldiges Opfer von Schiedsrichter Michael Weiner: "Das war einer der blindesten Schiedsrichter, die ich jemals hatte", schimpfte Lehmann, der dem 33 Jahre alten Polizeibeamten sogar Absicht bei der gelb-roten Karte unterstellte: "Der Schiedsrichter hat nur darauf gewartet, uns zu bestrafen."

BVB-Manager Michael Meier sprach ebenfalls von "Provokation", doch Weiner rechtfertigte die Feldverweise für Mittelfeldspieler Torsten Frings (41.) wegen wiederholten Foulspiels sowie Lehmann, der zwei Mal wegen Reklamierens bestraft worden war. "Die Ursache liegt immer bei den Spielern", sagte Weiner, der sein 35. Bundesligaspiel als Unparteiischer so schnell nicht vergessen wird. Die erste gelbe Karte habe Lehmann wegen Meckerns erhalten, bei der zweiten habe er ihn sogar "bis zur Mittellinie verfolgt" und heftig reklamiert: "Das ist Gelb und in der Konsequenz Gelb-Rot", kommentierte Weiner.

Für BVB-Trainer Matthias Sammer war der Schiedsrichter ein "heißes Thema". Er warf Weiner mangelhaftes Fingerspitzengefühl vor, weil Lehmann kurz vor dem Platzverweis von Bayern-Stürmer Giovane Elber hart attackiert worden war. "Wenn er vorher den Schäden durchgetreten bekommt, dann muss man mehr Klasse zeigen", rügte Sammer. Für Lehmann stand fest: "Elber hätte man dafür vom Platz verweisen müssen."

Durch den Feldverweis fiel das Duell mit Kahn, den der in dieser Saison überragend haltende Lehmann schon bei der Europameisterschaft 2004 in Portugal als Nummer eins ablösen will, aus. Spektakulärster Torwart auf dem Platz war ohnehin BVB-Stürmer Jan Koller, der Lehmann in der Schlussphase ersetzte und sein Tor sauber hielt.

Der sportlich und privat in den Schlagzeilen stehende Kahn dagegen verkam fast zur Randfigur. Beim Gegentor war er chancenlos, nach dem Führungstor erwischten ihn die Fernseh-Kameras sogar lachend in seinem Tor. Und Fluchtgedanken ins Ausland, wie sie ihm unterstellt wurden, hat der Vize-Weltmeister nach eigener Aussage auch nicht. "Ich fühle mich bei Bayern München wohl", sagte der Kapitän.

Ottmar Hitzfeld sprach dennoch von einer gefährlichen Kampagne gegen seine Nummer eins: "Ich finde es eine absolute Sauerei, was mit Oliver Kahn passiert und wie sein Privatleben in den Zeitungen zitiert wird", sagte der Bayern-Trainer: "Man muss aufpassen, dass Oliver Kahn im Land bleibt. Irgendwann ist die Schmerzgrenze erreicht, wenn die Familie einbezogen wird."

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