Rom droht mit Härte gegen militante Globalisierungsgegner
Erneut Briefbombe in Italien vor G8-Gipfel explodiert

Zwei Tage vor Beginn des G8-Gipfels in Genua ist erneut eine Briefbombe explodiert. Bei der Detonation in einem Fernsehsender von Regierungschef Berlusconi in Mailand erlitt eine Mitarbeiterin am Mittwoch Brandwunden.

afp MAILAND/ROM. Zwei Tage vor Beginn des G8-Gipfels in Genua ist in Italien erneut eine Briefbombe explodiert. Bei der Detonation in einem Fernsehsender von Regierungschef Silvio Berlusconi in Mailand erlitt eine Mitarbeiterin am Mittwoch Brandwunden, wie der Sender berichtete. Unterdessen schottete sich Genua weiter gegen gewalttätige Globalisierungsgegner ab. Italiens Innenminister Claudio Scajola kündigte ein hartes Vorgehen gegen Randalierer an. Eine festgenommene Berlinerin musste sich in Genua vor einem Richter verantworten. In Rom wollten am Mittwochnachmittag die G8-Außenminister den Gipfel vorbereiten. Im Mittelpunkt sollten die US-Raketenabwehrpläne (MD) sowie die Konflikte im Nahen Osten und auf dem Balkan stehen.

Der Brief mit der Bombe war an den Nachrichtenchef des Senders TG4, Emilio Fede, gerichtet. Die Mitarbeiterin erlitt Brandwunden an Händen und Armen, als sie den Umschlag öffnete und der Sprengsatz detonierte. Die Verantwortlichen beim Sender kritisierten den Anschlag als "Einschüchterungstat" und als Angriff auf die Pressefreiheit. Am Montag hatte eine Briefbombe einen Polizisten schwer verletzt. Kurz darauf war ein zweiter Sprengsatz entschärft worden.

Am Sitz der Benetton-Gruppe in Ponzano wurde laut Polizei ein verdächtiges Päckchen entdeckt, das sich beim Öffnen entzündete. Dabei sei niemand verletzt worden. Außerdem wurden Polizeiangaben zufolge in einem an den Bürgermeister von Genua adressierten Drohbrief unter anderem zwei Pistolen-Kugeln entdeckt. In Bologna entschärfte die Polizei einen Sprengsatz.

Im Rahmen der massiven Sicherheitsvorkehrungen im Vorfeld des Gipfels wurde bis Dienstagabend 686 Menschen die Einreise nach Italien verweigert, wie Scajola am Mittwoch vor dem Parlament in Rom sagte. Sie seien als "gefährlich" einzustufen gewesen.

Genua glich einer Festung

Die Gipfelstadt Genua glich zwei Tage vor dem Gipfel einer Festung. Dort werden von Freitag bis Sonntag rund 100 000 Demonstranten erwartet. Eine 23-jährige Berlinerin, die am Dienstag in Genua zusammen mit drei anderen jungen Frauen festgenommen worden war, musste sich vor einem Schnellrichter verantworten. Der Frau werde Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin. Die anderen Frauen seien inzwischen auf freiem Fuß. Die Polizei hatte in ihrem Fahrzeug eine Axt, Messer, Benzinkanister sowie Ketten und Eisenstangen gefunden. Am Dienstag waren in Rapallo nahe Genua sieben Deutsche festgenommen worden, die im Besitz von Schlagstöcken, Klingen und Gasmasken waren. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes wurden sechs von ihnen freigelassen.

US-Präsident George W. Bush griff die Globalisierungsgegner scharf an. In einem Interview der Pariser Tageszeitung "Le Monde" sagte er, sie hätten das Recht friedlich zu demonstrieren. Indem sie sich jedoch dem Welthandel widersetzten, "nehmen sie den Entwicklungsländern ihre Chance auf Wachstum... Sie verdammen diese Menschen zum Elend."

Die Chefdiplomaten der G8-Gruppe wollten bei ihrem zweitägigen Treffen nahe Roms auch bilaterale Gespräche führen. Der russische Außenminister Igor Iwanow forderte von seinem US-Kollegen Colin Powell mehr "Klarheit" über die Entwicklung des geplanten Raketenschildes MD. Ein vorhergehendes Treffen der Balkan-Kontaktgruppe wurde ohne Erklärung beendet. Es sollte Angaben von Diplomaten zufolge lediglich die Besorgnis der internationalen Gemeinschaft über den Konflikt in Mazedonien wiedergeben, wo sich Regierungstruppen und albanische Rebellen seit Wochen bekämpfen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%