Roman
Alter Mann, junge Liebe

Ohne Skandal: Martin Walser kehrt in seinem neuen Roman zu seinen Urthemen zurück

Alter Mann liebt junge Frau. In der Literatur schon tausendfach beschrieben. Nie geht es gut und auch im neuesten Roman von Martin Walser nicht. "Der Augenblick der Liebe" heißt sein heute erscheinendes Werk, das mit Spannung erwartet wurde. Denn der Name Walser war zuletzt immer wieder für einen Skandal gut. Vor zwei Jahren wurde sein Buch "Tod eines Kritikers" auf Grund der Buchfahnen im Feuilleton verrissen, bevor es überhaupt gedruckt war. Walser, der zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern der Nachkriegszeit gehört, geriet unter Antisemitismusverdacht, weil in dem Roman ein Kritiker-Papst diffamiert wird, der die Züge von Marcel Reich-Ranicki trägt.

Ist die Zeit der Abrechnungen vorbei? "Der Augenblick der Liebe", der schon 2003 erscheinen sollte, kommt leichtfüßig daher. Alles läuft wieder in wohlgeordneten Bahnen. Dabei war Martin Walser erst im Februar mit großem Getöse zum Rowohlt-Verlag gewechselt, weil er sich vom Suhrkamp-Verlag beim Skandal um den "Tod eines Kritikers" zu wenig gegen "seine Widersacher" unterstützt fühlte.

Müde klingt der 77-Jährige, der seit Jahrzehnten am Bodensee lebt, trotz der harschen Feuilleton-Angriffe nicht. Erst jüngst äußerte er sich zur politischen Lage der Nation und nannte die deutsche Krise auch eine Krise der Wahrnehmung in den Medien. In Interviews sprach er sich für den aus Finanzkreisen kommenden neuen Bundespräsidenten Köhler aus, den er wegen seiner Weltläufigkeit schätze. Doch literarisch scheint sich Walser nicht mehr die Finger verbrennen zu wollen. Hauptfigur im neuen Buch ist Gottlieb Zürn, ein alter Bekannter aus früheren Romanen, eine der Männerfiguren, die im Leben und in der Liebe scheitern.

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