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Romario hört „langsam“ auf

Der „Kleine“ mit dem großen Können und der nicht minder großen „Klappe“ hört auf. Romario hat in Los Angeles mit den meisten seiner brasilianischen Mit-Weltmeister von 1994 in einem Abschiedsspiel eine Altherren-Auswahl von Mexiko mit 2:1 (0:1) bezwungen.

dpa RIO DE JANEIRO. Der "Kleine" mit dem großen Können und der nicht minder großen "Klappe" hört auf. Romario hat in Los Angeles mit den meisten seiner brasilianischen Mit-Weltmeister von 1994 in einem Abschiedsspiel eine Altherren-Auswahl von Mexiko mit 2:1 (0:1) bezwungen.

Kurz vor seinem 39. Geburtstag ließ "Baixinho" (der "Kleine") mit seinem Abgang von der internationalen Bühne aber offen, ob das auch national der Schlusspunkt war. "Das ist womöglich mein letztes Spiel überhaupt", sagte er kurz vor dem Anpfiff.

Bei Romario weiß man halt nie. So unberechenbar er im Strafraum war, so unvorhersehbar waren und sind seine Aussagen. "Als ich geboren wurde, hat der große Vater im Himmel mit dem Finger auf mich gezeigt und gesagt: das ist DER Kerl", sagt er frei von jeder Bescheidenheit. Oder auch: "Nach Pele bin ich ganz deutlich der zweitbeste Spieler der brasilianischen Geschichte." Was ihm Ärger mit Stars wie Zico und Ronaldo einbrachte.

Romario, 1994 Weltfußballer des Jahres, verabschiedete sich mit zwei Toren und vielen Tränen. Nach den Treffern in der 61. und 85. Minute ließ er sich auswechseln. Während einer umjubelten Stadionrunde heulte er hemmungslos Freudentränen. Er hätte aber auch allen Grund, vor Sorgen zu weinen: Weder sportlich, noch privat und finanziell steht alles zum besten.

Im Oktober wurde der von einer Zeitung "zum Kulturerbe Brasiliens" erklärte Fußballer von seinem Verein Fluminense Rio de Janeiro wegen ungenügender Spiel- und Trainingsleistungen gefeuert. In den vergangenen zwei Jahren bei Fluminense hat Romario mehr Zeit in Nachtclubs und Kneipen als auf dem Fußballplatz verbracht. Auch vor dem Spiel in Los Angeles kam er Zeitungsberichten zufolge nicht vor vier Uhr morgens ins Hotel. "Er hat gezeigt, dass er ebenso wenig in Form ist, wie viele der längst pensionierten Kollegen", schrieb am Donnerstag "Folha" in ihrer Online-Ausgabe mit Hinweis auf Spieler wie Branco, Bebeto, Dunga und Jorginho.

Im August wurde Romario verhaftet. Seine Ex-Frau Monica hatte ihn angezeigt, weil er ihr rund 15 000 Euro an Alimenten schuldet. Neben Moniquinha und Romarinho, den Kindern mit dem Ex-Model, hat Romario drei weitere "offizielle" Nachkommen mit drei anderen Frauen. "Genug!", sagte er jüngst, und ließ sich sterilisieren.

Finanziell hatte der vermeintliche Millionär Romario zuletzt Probleme. Ein Pole soll ihn um fünf Mill. Dollar betrogen haben. Der Prozess in Polen läuft. Vor wenigen Wochen hat eine Kreditfirma vor Gericht wegen ausstehender Rückzahlungen die Liquidation von "Romario Sports & Marketing" beantragt.

Romario hat in 1 011 Spielen 905 Tore erzielt, unter anderem für den PSV Eindhoven und FC Barcelona. In der Nationalelf waren es 55 Treffer in 73 Begegnungen. Nur Pele hat mehr auf dem Konto (95). "Ich wollte immer wie Pele die 1 000-Tore-Marke brechen, aber dieses Ziel ist in weite Ferne gerückt", sagte Romario, der nach dem Spiel in Los Angeles nur den Satz formulierte: "Ich danke allen, auch den Medien."

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