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Ron Sommer: Kein übereilter Börsengang mit T-Mobil

Trotz hoher Schulden will sich die Deutsche Telekom nicht zu einem Börsengang der Handy-Tochter T-Mobil drängen lassen.

dpa DÜSSELDORF. Eine drohende Herabstufung der Bonität durch Ratingagenturen könne die Telekom zwar rund 90 Mill. Euro kosten, räumte Telekom Chef Ron Sommer in einem vorab veröffentlichten Interview mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" ein. Diese Summe zahle "niemand gerne, aber ein misslungener Börsengang würde ein Vielfaches kosten", sagte Sommer. Über den Zeitpunkt des Börsengangs wolle die Telekom daher erst nach Prüfung der Rahmenbedingungen Ende des Jahres entscheiden. Ursprünglich hatte die Telekom T-Mobil bereits im Herbst 2000 an die Börse bringen wollen, dies dann aber auf unbestimmte Zeit verschoben und mit der geplanten Übernahme des US-Mobilfunkanbieters VoiceStream begründet.

Bei der Hauptversammlung der Telekom am kommenden Dienstag in Köln erwartet Sommer zudem kein Volkstribunal wegen des schwachen Börsenkurses. "Ich glaube nicht, dass die Emotionen hochkochen", sagte Sommer dem "Spiegel". Trotz des schwierigen Umfelds habe das Unternehmen "ein sehr gutes unternehmerisches Jahr" hinter sich. Auch die Abwertung der Immobilien um 3,9 Mrd. DM im März habe nicht zu einem Vertrauensverlust der Anleger geführt.

Zu dem geplanten Kauf der Voicestream sagte Sommer, er erwarte, dass es bei der Übernahme keine Probleme mehr geben werde. "Alles, was ich bisher gehört habe, deutet darauf hin, dass wir uns keine Sorgen machen müssen." Die Übernahme wird in den kommenden Tagen erwartet. Dabei könnte sich Voicestream noch dagegen aussprechen, weil der Kurs der Telekom-Aktie mit 26,75 Euro derzeit unter dem vereinbarten Kurs von 33 Euro liegt. Dies ist für die Voicestream-Aktionäre von Belang, weil sie einen Teil des Kaufpreises in Telekom-Aktien ausgezahlt bekommen. Analysten erwarten aber, dass Voicestream der Übernahme zustimmen wird, weil die Firma auf einen zahlungskräftigen Partner für anstehende Milliardeninvestitionen angewiesen sei.

In den USA will die Telekom dann jährlich knapp 4,5 Mrd. DM investieren. Damit würden Übertragungsnetze und die Vertriebsorganisation aufgebaut werden, sagte Sommer. "Dann werden wir auf Grund der überlegenen GSM-Technik aber einen großen Vorsprung haben." Die Telekom will in den USA als erstes Unternehmen ein flächendeckendes Mobilfunknetz im GSM-Standard anbieten. GSM ist auch der Standard in Europa. Die Telekom würde damit nach eigenen Angaben zum ersten und einzigen digitalen GSM-Mobilfunkbetreiber beiderseits des Atlantiks aufsteigen.

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