Ron Sommer stärker unter Druck
Börsianer warnen bei der T-Aktie vor Panikmache

Knapp fünf Jahre nach ihrem Börsengang ist die Aktie der Deutschen Telekom unter ihren ersten Ausgabepreis von 1996 gefallen. Das Papier sackte am Montag um zeitweise fast fünf Prozent auf 14,16 Euro und damit auf einen historischen Tiefstand ab. Im November 1996 war die T-Aktie zu einem Preis von 28,00 DM (rund 14,32 Euro) für private Frühzeichner beziehungsweise 28,50 Euro (rund 14,57 Euro) für institutionelle Anleger an die Börse gebracht worden.

Reuters FRANKFURT. Börsianer warnten allerdings unter Verweis auf das insgesamt schwache Marktumfeld vor Panikmache. Die Telekom betonte erneut, dass ihre Aktie unterbewertet sei und den Firmenwert nicht widerspiegele. Die Bundesregierung als Großaktionär wollte die Kursentwicklung nicht kommentieren.

Mit dem Unterschreiten des Emissionspreises markierte die T-Aktie einen neuen Höhepunkt in ihrer dramatischen Talfahrt der vergangenen Wochen und Monate. Noch im März vergangenen Jahres hatte der Kurs fast die Marke von 105 Euro erklommen. Seither schmolz der rechnerische Börsenwert des Bonner Konzerns von mehr als 210 Milliarden Euro um über 70 Prozent auf derzeit gerade noch gut 60 Milliarden Euro.

Am Montag erholte sich die T-Aktie im Laufe des Nachmittags zwar ein wenig und durchbrach die Linie von 15,00 Euro. Damit notierte sie leicht über ihrem ersten Emissionspreis, aber nach wie vor deutlich unter den Kursen der beiden weiteren Tranchen 1999 und 2000, als das Papier zu je 37,50 Euro für Private und 39,50 Euro für Institutionelle beziehungsweise 63,50 Euro und 66,50 Euro verkauft worden war.

Unter anderem hohe Kosten für den Erwerb der Lizenz des neuen Mobilfunkstandards UMTS und für die Übernahme der US-Firma VoiceStream sowie Unsicherheiten über Korrekturen bei der Bilanzierung von Immobilien lösten den Kurssturz der T-Aktie aus. Zuletzt geriet die T-Aktie zusätzlich unter Druck: Das Unternehmen bezahlte einen Teil der übernommenen US-Gesellschaften VoiceStream und Powertel mit eigenen Aktien, die nun wieder an die Börsen zurückfließen.

Börsianer warnten am Montag jedoch davor, die Kursverluste der T-Aktie überzubewerten. Im Moment sei der Fall des Telekom-Kurses nicht bemerkenswerter als der des Gesamtmarktes, sagte Fondsmanager Alexander Uhlmann von Invesco Asset Management. Sobald sich der Markt erhole, werde sich auch die T-Aktie wieder erholen. Auch der Telekom-Analyst einer großen Investmentbank verwies darauf, dass die Börsen international am Boden lägen und insbesondere die Aktien aus der Telekommunikations-Industrie deutlich an Wert eingebüßt hätten. "Man kann die Telekom nicht in Isolation betrachten. Im Vergleich zu den anderen europäischen Telekommunikations-Werten hat die Telekom nicht underperformed", hieß es.

Mit dem Fall der T-Aktie gerät auch Konzernchef Ron Sommer weiter unter Druck, obgleich die meisten Marktteilnehmer derzeit offenbar keinen Rücktritt des Vorstandsvorsitzenden erwarten. "Es ist schwer zu sagen, ob er (Sommer) seine Position halten kann oder nicht", sagte ein Fonds-Manager. Einige würden sicherlich gerne sehen, wenn er zurücktrete, aber dies hinge von der Bundesregierung ab. Der Bund ist mit einem Anteilspaket von rund 43 Prozent weiterhin größter Einzelaktionär der Telekom. Ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums wollte sich zur Entwicklung des Telekom-Kurses und zu möglichen Konsequenzen daraus nicht äußern. Der Bund hatte sich zuletzt hinter Sommer gestellt. Die Telekom selbst sieht sich nach Worten eines Sprechers am Markt weiter unterbewertet. "Der substanzielle Wert des Unternehmens ist aus unserer Sicht weit von dem aktuellen Kurs entfernt", sagte der Sprecher.

"Sicher wird es jetzt Rufe nach einer Auswechslung Sommers geben. Aber ich sehe keinen Anlass, das Management zu wechseln", sagte ein Analyst, der namentlich nicht genannt werden wollte. "Operativ kann man Sommer keinen Vorwurf machen. Auch die Strategie stimmt. Im Gegenteil hat die Telekom viel für das Volkswohl getan. Wir haben das beste Breitband und die niedrigsten Preise", fügte der Experte hinzu. An der Entwicklung der Aktie sei schließlich auch der Gesetzgeber mit den hohen Gebühren für den Erwerb der UMTS-Lizenzen Schuld. "Ohne UMTS würde die Telekom jetzt ganz anders aussehen." Fraglich sei dagegen, ob der US-Mobilfunker VoiceStream den Wert schaffen wird, den er gekostet habe. "Man kann nur hoffen und beten, dass VoiceStream was wird", sagte der Analyst. Insgesamt wäre es jetzt aber das Falscheste, in Hektik zu verfallen.

Ulrich Hocker, Chef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), führte die anhaltende Talfahrt der T-Aktie auf eine Aneinanderkettung negativer Entwicklungen und Ereignisse zurück. Das Marktumfeld sei zwar entscheidend, aber bei der Telekom liege "eine Paarung von Malus-Beispielen" vor, sagte Hocker. Dazu zähle etwa die ungebrochene Unsicherheit über die Immobilienbewertungen, für die die DSW bereits seit längerem mehr Transparenz verlange. "Es fehlt an Vertrauen in die Konzernführung", sagte Hocker weiter. Insofern würde ein Rücktritt Sommers vielleicht Entlastung bringen, aber er sehe derzeit keinen geeigneten Nachfolger für den Telekom-Chef.

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