Ronaldo: "Platz zwei wäre jetzt ein Flop"
Zum Sieg verdammt

"Wir sind bereit, die Brasilianer glücklich zu machen", verspricht Brasiliens wieder auferstandener Superstar Ronaldo. Das ist auch gut so, denn nicht weniger als der Weltmeistertitel wird jetzt von der "Selecao" erwartet.

dpa YOKOHAMA. Vor dem "Spiel der Spiele" lastet auf Brasiliens Ballzauberern ein riesiger Erwartungsdruck. Ein Final- Fiasko wie vor vier Jahren in Paris, als die "Selecao" beim 0:3 gegen die Gastgeber eine ihrer bittersten WM-Stunden erlebte, wollen die 170 Millionen fußball-verrückten Brasilianer am Sonntag gegen Deutschland nicht noch einmal erleben. Ronaldo & Co sind im Endspiel der 17. Weltmeisterschaft zum Siegen verdammt, wie der Stürmerstar selbst einräumt: "Vor dem Turnier wären sie mit dem zweiten Platz zufrieden gewesen, jetzt wäre es ein Flop."

Die Altstars und Experten, die in Brasilien einen Stellenwert wie sonst nirgendwo auf der Welt besitzen, haben kollektiv den fünften WM-Titel zur Pflicht ausgerufen. Selbst der große Pele, der bisher die Auftritte seiner Erben eher zurückhaltend bewertet hatte, ist vom Erfolg der Super-Techniker über die deutschen Fußball-Arbeiter überzeugt. "Ich glaube an Brasilien. Es hat gut begonnen und sich vor allem in den beiden letzten Spielen gesteigert", sagte das Fußball- Idol: "Ich mag nur nicht, wenn wir als Favorit gehandelt werden, denn viele Favoriten sind schon zu Hause."

"Trainer-Feldwebel" Luiz Felipe Scolari präsentierte sich zwei Tage vor dem Anpfiff im International Stadium von Yokohama von seiner ungewohnten Seite. Lockerheit war Trumpf im Lager des WM-Favoriten. Im Gefühl der Stärke hat er nichts zu verbergen. Geheimtraining war - im Gegensatz zum deutschen Team - nicht angesagt. Die über 500 Medienvertreter aus aller Welt durften im Training sogar spezielle Spielzüge mitverfolgen. In ungezwungener Atmosphäre lachten und scherzten die brasilianischen Samba-Fußballer wie spielende Kinder.

Von Anspannung oder Lampenfieber keine Spur. Auch bei Leverkusens Lucio nicht, für den das Finale "der Höhepunkt meiner Laufbahn" ist. Ganz besonders freut er sich auf seine Bayer-Mitspieler Carsten Ramelow oder Bernd Schneider. "Ich weiß, wie sie spielen. Sie wissen aber auch, wie ich spiele", witzelte Lucio. Roberto Carlos erklärte das Finale zum "Duell der angriffslustigsten Mannschaft gegen das abwehrstärkste Team". 16 Tore haben die Brasilianer bisher erzielt, eines nur haben die Deutschen kassiert.

Einer fiebert dem Finale am meisten entgegen: Ronaldo. Vier Jahre nach seinen rätselhaften epilepsieartigen Anfällen vor dem verlorenen Finale von Paris will der Anwärter auf die Torjägerkrone (6 Tore) diesen "Albtraum" endgültig aus seinem Gedächtnis löschen und ganz Brasilien die "Penta", den fünften Titel, bescheren. "Ich denke nicht an dieses letzte Endspiel, wir alle denken nicht mehr an dieses letzte Endspiel", sagte der 25-jährige Stürmerstar von Inter Mailand.

Scolari kann seine Bestformation aufbieten und dabei wieder auf seine komplette "RRR"-Offensive mit Ronaldo, Rivaldo und dem im Halbfinale gesperrten Ronaldinho zurückgreifen. Nach seiner Zwangspause brennt der 22-jährige Jungstar von Paris St. Germain, der den Viertelfinalsieg gegen England fast im Alleingang bewerkstelligte, um dann vom Platz zu fliegen, auf seinen Final- Einsatz. "Trotz Rivaldo oder Ronaldo ist für mich Ronaldinho die Entdeckung des Turniers und vielleicht der beste WM-Spieler", sagte Pele. Edilson wird aus der Anfangsformation weichen müssen.

"Wir sind bereit, die Brasilianer glücklich zu machen", versprach Ronaldo. Sein Trainer indes warnte vor allzu übermütigen Versprechungen für das historische erste WM-Duell der beiden Fußball- Supermächte. "Ich erwarte ein großes historisches Spiel. Die Chancen sind ausgeglichen", sagte der 53 Jahre alte Coach, der bis zum WM- Beginn nur wenig Kredit bei Brasiliens Anhängern hatte. Und das wird sich erst ändern, wenn er mit seiner Elf auch den letzten großen Schritt bewältigt.

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