Ronaldo und Brasilien zeigen in Berlin wenig von ihrem Können – doch das ist schon viel
Nur ein bisschen Zauberei

Ronaldo kam einfach nicht. Deshalb schnappten sich die brasilianischen Tänzerinnen in den Katakomben des Berliner Olympiastadions Oliver Bierhoff und ließen sich mit dem deutschen Teammanager im Arm fotografieren.

BERLIN. Dann endlich tauchte Ronaldo auf: der Liebling, der Stürmer von Real Madrid mit der aufregenden Zahnlücke, frisch verliebt und verlobt. Aber Ronaldo würdigte seine Fans mit keinem Blick. Abgeschirmt von zwei Bodyguards, das Handy dicht am Ohr haltend und einen Rollkoffer hinter sich herschleifend, verschwand er eilig in einer Limousine. Es war ein abrupter Abgang eines Stars, der die hohen Erwartungen an sein Genie auch im Spiel zuvor nur sehr sporadisch zu erfüllen wusste.

Mitte der zweiten Halbzeit lieferte Ronaldo einen atemraubenden Beweis seiner Spielkunst. Den Ball am Fuß nahm er Tempo auf, wurde schneller und schneller. Während der Ball wie von Magie geführt vor Ronaldo her rollte, machte der ein paar Zentimeter darüber die für den Stürmer so typischen Schleifen mit den Füßen. Einmal, zweimal, dreimal, viermal. Dann war er an Frank Fahrenhorst vorbeigerauscht. Beim Schuss danach streifte der Ball knapp über Kahns Tor hinweg.

Bis auf diese herausragende Szene hatte sich Ronaldo meist dezent zurückgehalten. Er hatte den Freistoß zum 1:0 herausgeholt, doch meist sah man den 27-Jährigen maulig über den Platz schlendern. Immer zwar auf der Suche nach der nächsten Chance, aber auch irgendwie lustlos wirkend. Als Roberto Carlos einen Einwurf zu ihm werfen wollte, machte Ronaldo deutlich, dass er gerade lieber nicht am Spielgeschehen beteiligt werden wolle.

Brasiliens Trainer Parreira formulierte herrlich diplomatisch, er sei sehr dankbar darüber, "dass man Deutschland beim Wiederaufbau einer Mannschaft helfen konnte". Dass sein Team nur phasenweise seinen besten Fußball gezeigt hatte, wusste Parreira genau. Ein bisschen Zauberei aber hatte Brasilien schon zu bieten. Allein der Freistoß zum Führungstor durch Ronaldinho, war ein einziges Kunstwerk. Mit aufreizender Lässigkeit nahm er zwei Schritte Anlauf, streichelte den Ball dann liebevoll über die verschlafene deutsche Mauer hinweg zum 1:0.

Ronaldo wollte nach dem Spiel so schnell wie möglich nach Madrid, um seine Verlobte Daniela Cicarelli wieder in die Arme schließen. Und da die Brasilianer vom Verliebtsein etwas verstehen, werden sie ihrem Ronaldo wegen seiner Leistung in Berlin bestimmt nicht böse sein.

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