Ronaldo war entscheidender Spieler
Schlechte Laune bei Reals Meister-Feier

Für Ronaldo war es fast eine Neuauflage des Finales der Fußball-Weltmeisterschaft vor einem Jahr. Wie bei Brasiliens 2:0- Endspiel-Sieg über Deutschland trug der Stürmer im letzten Punktspiel seines Clubs Real Madrid das "magische Haar-Dreieck" über der Stirn. Und wie in Yokohama vor einem Jahr schoss "El Fenomeno" wieder zwei Tore. Damit verhalf er den Madrilenen zum 3:1-Sieg über Athletic Bilbao und zum Gewinn der 29. spanischen Meisterschaft.

HB/dpa MADRID. Aber während Ronaldos Brasilianer ihren Erfolg über Deutschland damals ungestüm feierten, herrschte bei den "Königlichen" trotz des Triumphs eine eher getrübte Stimmung. Ronaldo und seine Teamkollegen liefen nach dem Spiel im Bernabéu-Stadion eine Ehrenrunde und verschwanden in der Kabine. Dort kam es nach Angaben des Radiosenders Cadena SER zu einem Streit mit Jorge Valdano. Der Manager forderte die Stars auf, für die Fans noch eine Ehrenrunde zu drehen. Aber die Kicker weigerten sich. Kapitän Fernando Hierro drohte gar damit, dass die Fußballer alle offiziellen Feierlichkeiten boykottieren würden.

Das Spiel gegen das Jupp-Heynckes-Team am Sonntagabend hatte lange Zeit auf des Messers Schneide gestanden. Bilbao war zunächst das überlegene Team, und Alkiza (36.) glich Ronaldos frühe Führung (9.) aus. Roberto Carlos (45.) leitete für Real mit einem Freistoßtor unmittelbar vor der Pause die Wende ein. Den Basken gingen dann die Kräfte aus, und Ronaldo (62.) stellte mit seinem zweiten Treffer den Endstand her. Titelrivale Real Sociedad San Sebastián muss trotz des 3:0 über Atlético Madrid mit der Vizemeisterschaft vorlieb nehmen.

"Reals Titel ist der Erfolg Ronaldos", lautet die Saison-Bilanz der Zeitung "El Mundo". Und das Sportblatt "Marca" ergänzt: "Raúl, Roberto Carlos, Figo und Zidane sind alle Weltstars. Aber Ronaldo ist derjenige, der den Unterschied ausmacht." Der 26-Jährige übertraf in Madrid alle Erwartungen. Als er 2002 für 45 Mill. Euro von Inter Mailand zu Real gewechselt war, wurde er als Nachtschwärmer, als verletzungsanfällig oder schlichtweg als "zu dick" abgetan.

Aber der Torjäger brachte alle Kritiker zum Schweigen. "Es sei ihm auch verziehen, dass er 25 Tore versprochen, aber nur 23 geschossen hat", witzelte das Sportblatt "As". Ronaldo gewann mit Real seine erste Landesmeisterschaft. Dies war ihm weder mit dem PSV Eindhoven noch mit dem FC Barcelona oder Inter Mailand geglückt. Für das Saisonfinale rasierte er sich seinen Schädel und ließ nur einen Haarflecken über der Stirn stehen. "Dieser Büschel hatte mir schon im WM-Finale Glück gebracht", berichtete er nach der Partie. "Im nächsten Jahr will ich damit die Champions League gewinnen."

Nach dem Abpfiff des Bilbao-Spiels strömten 200 000 Real-Fans zum Madrider Cibeles-Brunnen, um den Titel zu feiern. Die Polizei hatte das Wahrzeichen der Stadt mit einer fünf Meter hohen Mauer aus durchsichtigem Kunststoff abgeschirmt, nachdem die Brunnen-Statue in der Vergangenheit mehrfach bei Jubelfeiern beschädigt worden war. Raúl wollte die Beamten überreden, ihn auf den Brunnen klettern und der Muttergöttin einen Fan-Schal umbinden zu lassen. Aber die Polizei machte auch für den Stürmerstar keine Ausnahme. Der Fußballer zog ziemlich griesgrämig mit seinem Team wieder ab.

Mit der Meisterschaft blieb Reals Coach Vicente del Bosque, dessen Zukunft trotz des Championats weiterhin offen ist, seiner Linie treu, jedes Jahr einen Titel zu holen. In einem Punkt unterschied sich die Saison in Spanien aber von den vorigen Spielzeiten: Der traditionelle Zweikampf Real-"Barça" fand nicht statt. Der FC Barcelona war so schwach, dass er im Titelkampf keine Rolle spielte und sich nur mit Mühe für den UEFA-Pokal qualifizierte. "Barça war Real in dieser Saison nur in einem überlegen: Bei der Zahl der Club-Präsidenten gewannen die Katalanen 4:1", lästerte "As" unter Hinweis auf die vier Barça-Clubchefs, die sich im Laufe der Saison abgelöst hatten.

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