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«Roonaldo» lässt England wieder vom Titel träumen

Coimbra (dpa) - Fantastisch, unglaublich, sensationell - Fußball-England feiert seinen neuen «König der Löwen». Mit einem Doppelpack beim 3:0 über die Schweiz hat «Wunderknabe» Wayne Rooney die englische Fußball-Mannschaft fünf Tage nach dem Frankreich-Schock wieder in Titel-Euphorie geschossen.

Coimbra (dpa) - Fantastisch, unglaublich, sensationell - Fußball-England feiert seinen neuen «König der Löwen». Mit einem Doppelpack beim 3:0 über die Schweiz hat «Wunderknabe» Wayne Rooney die englische Fußball-Mannschaft fünf Tage nach dem Frankreich-Schock wieder in Titel-Euphorie geschossen.

Mit 18 Jahren und 237 Tagen hat sich Rooney als jüngster EM-Endrunden-Torschütze in den Geschichtsbüchern verewigt und der märchenhafte Aufstieg des Straßenfußballers aus Liverpool geht weiter. Roman Abramowitsch, Besitzer des FC Chelsea, hat dem Teenager angeblich ein Traumangebot gemacht. Der russische Öl-Milliardär, dessen Luxus-Yacht «Le Grand Bleu» in Lissabon vor Anker liegt, will Rooney für eine Ablöse von umgerechnet 35 Millionen Euro nach London holen.

Als «Man of the Match» bewahrte der Jung-Star vom FC Everton England vor dem drohenden EM-Aus, verdreifachte seinen derzeitigen Marktwert und löste in der Heimat eine Welle der Begeisterung aus. «Wunderknabe erlöst England. Ein Baby-Elefant rettet England vor einem Desaster», huldigte am Freitag die «Times» dem Sohn eines Amateurboxers und einer Küchenhelferin. Das Massenblatt «The Sun» jubelte: «Rooney schießt die Schweiz ab.» Der «Daily Star» titelte: «Wunder-Roon beansprucht den Thron.»

«Gott segne Rooney», sangen die rund 20 000 englischen Fans im Estadio Cidade in Coimbra, als Rooney nach dem 1:0 in der 23. Minute mit seinem zweiten Treffer (75.) die Partie entschieden hatte. Steven Gerrard (82.) gab den Schweizern den Rest. «Das ist ein großer Tag für uns und ein bisschen eine Erlösung, denn wir hätten rausfliegen können», diktierte der als Vollblutstürmer wie als unermüdlich rackerndes Arbeitstier doppelt wertvolle Rooney den Journalisten in die Blöcke und wählte das spielentscheidende Billard-Tor zum 2:0, bei dem der Kopf des Schweizer Torwarts Jörg Stiel und der Pfosten als Bande dienten, zum «wichtigsten Tor meiner Karriere.»

Der «blaue Zug» des favorisierten Titelverteidigers Frankreich ist bei der Fußball-EM in Portugal noch nicht ins Rollen gekommen. Zinedine Zidane und Co. schnaufen mühsam in Richtung Viertelfinale. Weil das sogar etwas schmeichelhafte 2:2 gegen Kroatien den vorzeitigen Einzug der «Equipe Tricolore» in die Runde der letzten Acht verhinderte, wird ausgerechnet die kleine Schweiz im letzten Vorrundenspiel in Coimbra über Wohl oder Wehe der «Grande Nation» entscheiden.

An die Wiederholung des französischen Albtraums von der WM 2002, als der entthronte WM-Titelverteidiger sieg- und torlos schon nach der Vorrunde die Koffer packen musste, mag Trainer Jacques Santini nicht denken. «Wir mussten heute viel leiden. Wir haben die Kroaten, die sehr guten Fußball spielen, mit vielen dummen Ballverlusten stark gemacht. Gegen die Schweiz müssen wir unsere Leistung steigern, um den noch nötigen Punkt zu holen. Das war noch nicht die Form, die ich mir vorstelle», sagte der 52-Jährige nach der bis auf die 25 Startminuten blassen Vorstellung des überheblich bis arrogant agierenden Titelverteidigers. Immerhin hat Santinis Erfolgsserie von nunmehr 20 Spielen ohne Niederlage Bestand.

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