Rosa Teppich für Jobsucher blieb leer
Erste "Pink Slip Party" war ein Flop

E in pinkfarbener Teppich war für die Jobsucher ausgerollt. Sie sollten darüber schreiten können, die Entlassenen der Internetbranche, und in die Arme der Personalberater und Arbeitgeber mit den neuen Jobs fallen. Auf der ersten deutschen "Pink Slip Party" in der Nacht zum 1. Mai kam es aber anders.

dpa BERLIN. Die wenigen Jobsucher, die den Weg zu den Reinbekhallen im Berliner Stadtteil Treptow fanden, trafen vor allem auf viele Journalisten. Nur etwa die Hälfte der 640 angemeldeten Gäste war überhaupt gekommen.

Initiator Frank Lichtenberg, selbst Chef eines Startup- Unternehmens, hatte die Party-Idee aus Amerika mitgebracht, wo sich die nach der Farbe der Kündigungsschreiben benannten Partys seit einem Jahr zu regelrechten Jobbörsen entwickelt haben. "Die Party soll ein bisschen amerikanische Gelassenheit reinbringen", sagt Lichtenberg.

Seit Monaten müssen auch in Deutschland immer mehr Beschäftigte aus der Dot.com-Branche mit einer Entlassung fertigwerden. Auf der Party sollten die Gäste Kontakte für neue Jobs knüpfen. Dazu hatten die Veranstalter eine rosa Lounge und eine umnebelte Tanzfläche aufgebaut.

3 000 Stellenangebote in deutschen Internetfirmen

Dass es Jobs gebe, stehe außer Frage, sagte die Geschäftsführerin der Internet Jobbörse worldwidejobs.de, Ursula Triller. Ihre Firma gehört zu den Sponsoren der 50 000 DM teuren Party. Mehr als 3 000 Stellen böten die deutschen Internetunternehmen zur Zeit an. Dazu kämen noch mehrere tausend Jobs für Internetexperten in allen anderen Unternehmen der Old und New Economy. Vor allem die traditionellen Unternehmen böten immer mehr Stellen an.

Die Old Economy war erschienen, neugierig auf das neue Forum für kreative Köpfe. "Wir beobachten das, wie wir ganz viele Sachen beobachten", sagte Jost Altmeyer von der Beratungsgesellschaft KPMG. Vielleicht entwickelten sich solche Partys zu neuen Karrierebörsen. Etwa jeder zehnte der angemeldeten Gäste sei ein potenzieller Arbeitgeber, hatte Lichtenberg angekündigt.

Doch trotz Eintänzerinnen blieb die Tanzfläche leer und die Gäste amüsierten sich vor allem über die Interviews, die sie geben mussten. Über die Arbeitslosigkeit wurde nicht gelacht. "Darüber lachen, das ist Quatsch", findet Michael Bäumer (38). Der Content- Manager, der bei der Internet-Agentur Viviance Lern-Angebote für das Internet erstellte, ist seit Anfang April arbeitslos. Er zweifelt nicht daran, dass er einen neuen Job finden wird. Die Party sei allerdings zu chaotisch, um den richtigen Arbeitgeber zu entdecken.

Nächstes Mal will Lichtenberg die Bewerbungsparty besser vorbereiten und konkrete Gesprächstermine vereinbaren. "Viele Jobsucher waren dann doch zu scheu", glaubt er. Die nächsten Versuche starten in Frankfurt (17.5.), München (31.5.) und Hamburg (14.6.).

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