Rosarote Brille hat ausgedient
Katerstimmung zum fünften Geburtstag der T-Aktie

Rosa Luftballons steigen in den klaren November-Himmel über der ehrwürdigen Frankfurter Börse. Manager, Kleinaktionäre und Börsianer lassen die Korken knallen: So schön hätte Telekom-Chef Ron Sommer den fünften Geburtstag seiner T-Aktie feiern können. Doch die Wirklichkeit sieht grau aus.

afp BONN. Vor einigen Wochen fiel das Papier gar unter den Ausgabepreis. So mancher Kleinanleger sieht sich durch den Vorstand des Staatskonzerns getäuscht, mehrere zogen gegen Sommers Truppe vor Gericht.

Die T-Aktie biete die "Geschichte eines Debakels besonderer Art", ärgert sich Reinhild Keitel von der Frankfurter Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK). Die Telekom sei eben "nicht nur irgend ein Unternehmen" - Mill. T-Aktionäre hätten mit gelitten. Viele von ihnen seien nun "mit einer prinzipiellen Abneigung gegen Aktien ausgestattet". Der Bonner Ex-Monopolist hatte vor fünf Jahren mit einer riesigen Werbekampagne zahllose Anleger erstmals an die Börse gelockt. Doch die Depots vieler Kleinaktionäre, die sich nach dem ersten Börsengang mit T-Aktien eindeckten, lägen heute "dick im Minus", moniert Keitel. "Was da in fünf Jahren an Kapital vernichtet worden ist, kann seinesgleichen suchen."

Anleger-Schützer gehen mit Telekom-Vorstand hart ins Gericht

Den Aktien-skeptischen Deutschen brachte die Telekom Börsenfieber, dieser Dienst an der Aktienkultur wurde viel gepriesen. "All' das hat die Telekom in den fünf Jahren aber eigenständig zerstört", resümiert Petra Krüll von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die Telekom wolle zum Global Player werden, habe aber diesen Anspruch "bis heute nicht realisiert". Selbst auf der Landkarte des angepeilten Heimatmarktes Europa gebe es weiter weiße Flecken, der Sprung in die USA sei zu spät und zu teuer erfolgt. Die DSW hatte sich auch für eine Sonderprüfung der Bücher eingesetzt, nachdem die Telekom im Februar milliardenschwere Fehlbewertungen einräumen musste. Auch die Staatsanwaltschaft Bonn ermittelt in dem Fall, der bis zur Eröffnungsbilanz 1995 zurückreicht.

Dabei hatte alles so schön harmonisch angefangen. Der alerte Firmenchef Sommer ließ sich zum Börsenstart auf dem Frankfurter Parkett als Macher mit Visionen bejubeln. Zur Party mit Feuerwerk und 500 geladenen Gästen erschienen Finanzminister Theo Waigel und Börsen-Guru André Kostolany, anschließend wurde gleich auch der Börsengang in Übersee begossen.

Sommer habe aus dem "trägen Staatsmonopol-Unternehmen eine neue Firma geschaffen, die sich neue Felder erschlossen hat und sich im Markt zu bewegen gelernt hat", erkennt auch Kritikerin Keitel an. "Aber was danach gekommen ist, ist im Grunde nicht zu billigen." Die SdK-Vertreterin wirft dem Konzenchef vor, er habe "wahnsinnig hohe Preise" für seine Strategie der Internationalisierung bezahlt. Für den US-Anbieter VoiceStream oder die UMTS-Mobilfunklizenzen etwa habe er Miliarden zu viel hingeblättert, dies müssten nun die Aktionäre ausbaden.

Telekom weisst Vorwürfe zurück

Die Telekom will ihr Aktien-Jubiläum nun nicht besonders begehen. "Wir setzen unsere Kraft lieber auf die Steigerung des Kurses", sagt Konzern-Sprecher Ulrich Lissek. Anderswo würden derartige Tage auch nicht gefeiert." Die Vorwürfe der Kritiker weist Lissek zurück. "Die Kennzahlen des Unternehmens stimmen", betont er. Auch dass die Telekom 2001 wohl keine schwarzen Zahlen mehr schreiben dürfte, sieht er in diesem Zusammenhang gelassen: "Wenn man unternehmerisch handeln will, muss man investieren. Wir haben uns eindeutig für einen Wachstumskurs entschieden."

Wachsen soll im nächsten Frühjahr auch die Telekom-Familie. Mit dem Handynetz-Betreiber T-Mobile soll ein weiterer Spross an die Börse gehen. Im vergangenen Jahr habe sich indes bereits T-Online dorthin gewagt und wie der Mutterkonzern sehr große Erwartungen geweckt, erinnert DSW-Sprecherin Krüll. Der Kurs des größten deutschen Internet-Anbieters kletterte zunächst steil und brach dann schwer ein. "Insofern muss man fragen, wie es mit dem nächsten Börsengang ausgehen wird."

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