Rosenheimer Antennenhersteller dämpft nach Bericht die Erwartungen
Grundig soll angeblich von Kathrein übernommen werden

Der Rosenheimer Antennenhersteller Anton Kathrein will mehrheitlich den Unterhaltungselektronik-Konzern Grundig übernehmen. Kathrein wolle seine Grundig-Beteiligung von derzeit 25 auf rund 70 % erhöhen, berichtete "Die Welt" in ihrer Montagausgabe. Auf Anfrage gab sich Unternehmenschef Kathrein am Montag hingegen zurückhaltend: Es sei noch verfrüht, über den Kauf zu sprechen.

dpa NÜRNBERG/ROSENHEIM. Die "Welt" hatte berichtet, der oberbayerische Mittelständler strebe die Übernahme eines 36-Prozent-Paketes an, das die Hypo-Vereinsbank verkaufen wolle. Die Verträge seien unterschriftsreif. Er wolle die Mehrheit noch vor Beginn des Weihnachtsgeschäftes erwerben, um bei Mitarbeitern und Kunden "ein positives Signal für die Zukunft des Konzerns zu setzen." Die anderen Grundig-Aktionäre müssten allerdings noch zustimmen, bei ihnen herrsche offenbar noch keine Übereinkunft. Die Hypo-Vereinsbank als größter Grundig-Aktionär bestätigte am Montag, dass derzeit Gespräche über einen Verkauf der Grundig-Anteile geführt würden, allerdings mit mehreren Interessenten.

Kathrein ist nach eigenen Angaben der weltweit größte Antennenproduzent und erzielte 1999 einen Umsatz von 1,1 Mrd. DM (0,66 Mrd. Euro). Der stellvertretende Aufsichtsratschef von Grundig könnte als zukünftiger Entscheider des Konzerns auch neue personelle Weichenstellungen vornehmen. Der Zeitung sagte Kathrein, die Stelle des Produktionsvorstandes werde zum 1. Januar mit einem früheren Temic-Telefunken-Manager besetzt. Bislang übte der Produktions- und Technik-Vorstand Manfred Bartl (62) diese Funktion aus, sein Vertrag läuft ebenso wie der von Vorstandssprecher Herbert Bruch Mitte nächsten Jahres aus.

Betriebsrat sieht Engagement grundsätzlich positiv

Von Grundig war über die Personalveränderungen keine Stellungnahme zu bekommen. Das sei Sache des Aufsichtsrates, hieß es. Der Konzern stehe einer Ausweitung der industriellen Beteiligung wie der von Kathrein aber positiv gegenüber. Die Verteilung der Anteile sei jedoch allein Sache der Gesellschafter. Der Grundig-Betriebsrat begrüßte die Ankündigung Kathreins. Man werde in Gesprächen die Vorstellungen des Antennenbauers abklären, hieß es. "Ich gehe davon aus, dass Kathrein die bayerischen Standorte sichern wird", sagte der Betriebsrats-Vorsitzende Dieter Appelt. Die Standorte waren in die Diskussion geraten, als Kathrein im Juni gefordert hatte, die Verluste im Werk Nürnberg-Langwasser müssten gestoppt werden.

Einer Änderung im Vorstand sieht der Betriebsrat sehr optimistisch entgegen. "Wir brauchen junges Blut und neue Gedanken in unserem Betrieb", sagte Appelt. Grundig produziert in den deutschen Werken Nürnberg-Langwasser, Bayreuth und Crossen/Sachsen. 1999 erzielte der Konzern bei 2,7 Mrd. DM Umsatz einen Gewinn von 15 Mill. DM. In diesem Jahr sind zehn Prozent Umsatzplus angepeilt. In Branchenkreisen wird bezweifelt, ob Grundig schwarze Zahlen schreiben wird.

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