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Rostock hält nach 0:2 gegen Nürnberg zu Schlünz

Juri Schlünz leidet Höllenqualen. Nach dem bitteren 0:2 (0:0) gegen Aufsteiger 1. FC Nürnberg, der sechsten Heimpleite in Serie und dem freien Fall auf den letzten Tabellenplatz der Bundesliga, konnte einem der demoralisierte Cheftrainer von Hansa Rostock schon leid tun.

dpa ROSTOCK. Juri Schlünz leidet Höllenqualen. Nach dem bitteren 0:2 (0:0) gegen Aufsteiger 1. FC Nürnberg, der sechsten Heimpleite in Serie und dem freien Fall auf den letzten Tabellenplatz der Bundesliga, konnte einem der demoralisierte Cheftrainer von Hansa Rostock schon leid tun.

"Es ist eine einzige Katastrophe. Das ist eine der schwärzesten Stunden, seit ich im Verein bin", konstatierte Schlünz nach der siebten Saisonniederlage, die Markus Schroth (56./59. Minute) mit einem Doppelschlag quasi im Alleingang besiegelte.

0:12 Punkte und 4:16 Tore: Mit der schlechtesten Heimbilanz der Liga stecken die Norddeutschen nach dem fast schon sensationellen neunten Platz in der Vorsaison nun im Abstiegskampf fest. Nur Tasmania Berlin in der Spielzeit 1965/66 musste mit acht Niederlagen nacheinander vor heimischer Kulisse eine längere Durststrecke überstehen. "Auch wenn die Situation sehr dramatisch ist, werden wir keine Trainer-Diskussion anfangen", gab Hansas Vorstandsvorsitzender Manfred Wimmer trotz der Talfahrt ein erneutes Treue-Bekenntnis zu Schlünz ab: "Er ist der richtige Mann, um das Team aus der Krise zu führen."

Auch der 43-jährige Schlünz, der seit 37 Jahren beim FC Hansa ist ("Mein Herz gehört dem Club") und bei den Fans Kult-Status genießt ("Außer Juri könnt ihr alle gehen"), wies jegliche Rücktrittsgedanken vorerst von sich. "Sie werden keine Chance haben, mich hier jetzt festzunageln. Stellen sie doch intelligente Fragen zum Spiel", reagierte er etwas dünnhäutig auf Spekulationen von Journalisten, er würde freiwillig das Handtuch werfen. Kämpferisch fügte er an: "Hansa hat immer die Kurve gekriegt. Und das werden wir auch diesmal schaffen. Mit mir." Unterstützung erhielt er zudem von seinem Gegenüber Wolfgang Wolf, der Schlünz als "sehr loyalen Kollegen, auf den man sich 1 000-prozentig verlassen kann", schätzt: "Ich hoffe, dass Hansa nicht nervös wird und Juri das hier durchzieht."

Dabei zündeten die Rostocker in der ersten Halbzeit ein wahres Angriffsfeuerwerk. Doch Nürnbergs Keeper Raphael Schäfer parierte mehrfach erstklassig gegen Di Salvo, Arvidsson und Rydlewicz. Mit kapitalen Abwehrschnitzern brachen sich die Hanseaten, die mit einem gellenden Pfeifkonzert und "Wir haben die Schnauze voll"-Gesängen von den 12 000 Fans verabschiedet wurden, im zweiten Durchgang dann selbst das Genick. "Wir Spieler sind Schuld an dieser Situation. Der Trainer kann keine Tore schießen, das müssen wir tun", fand Hansas Mittelfeldregisseur Marcus Lantz deutliche Worte und betonte: "Wir stehen voll zu unserem Coach."

Nürnberg unterdessen feierte nach drei Niederlagen und einem Remis den ersten Sieg im Ostseestadion. "Ich bin stolz auf mein Team. In der ersten Hälfte haben wir agiert, in der zweiten reagiert, und das war entscheidend", resümierte Wolf nach dem Sprung auf Tabellenplatz 13 und bescheinigte vor allem Schroth und Schäfer eine überragende Leistung. Schroth, dem in der vergangenen Saison in Rostock sogar ein Dreierpack gelungen war, hatte ein ganz einfaches Erfolgsrezept parat: "Das muss wohl an der guten Ostseeluft liegen."

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