Rostock tilgt weißen Fleck
DFB-Elf gastiert zum zweiten Mal im Osten

Mit Rostock verschwindet im Fußball-Osten ein weißer Fleck von der Länderspiel-Landkarte. Erst zum zweiten Mal seit dem Mauerfall 1990 gastiert die deutsche Nationalmannschaft in den neuen Bundesländern - nach einer Pause von fast zehn Jahren.

dpa ROSTOCK. Am 14. Oktober 1992 trat die DFB-Auswahl in Dresden gegen Mexiko (1:1) zum bisher einzigen Spiel an, danach blieb den Fans zwischen Rügen und Thüringer Wald nur die TV-Perspektive.

"Wir hatten das Problem, dass ein Gefühl entstand, man stehe im Abseits", bekennt Hans-Georg Moldenhauer, Präsident des Nordostdeutschen Fußball-Verbandes (NOFV). In der DDR waren auch große Mannschaften wie Frankreich, Italien oder die Niederlande live zu sehen. Im Rostocker Ostseestadion fanden zwischen 1954 (0:1 gegen Polen) und 1980 (2:2 gegen die Sowjetunion) acht Länderspiele statt. Seit 1990 aber gab es alle Heimauftritte der deutschen Mannschaft bis auf die eine Ausnahme in den alten Ländern. Doch immerhin sieben Spieler aus dem DFB-Aufgebot für das USA-Spiel am Mittwoch haben das Fußball-ABC noch in Ostclubs gelernt.

"Wir sind froh, hier zu spielen", betont DFB-Teamchef Rudi Völler, der 1992 in Dresden sein offizielles Abschiedsspiel bestritt. Zwei Jahre zuvor hatte die Angst vor Randale in Leipzig ein Wiedervereinigungs-Spiel Deutschland West gegen Ost verhindert. "Es war ja keine Entscheidung des DFB, keine Länderspiele in den Osten zu geben, weil man nicht wollte, sondern weil es an den Stadien gefehlt hat", sagte Moldenhauer, der auch Vizepräsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ist.

Selbst für Benefizspiele wie gegen Liechtenstein oder Luxemburg gab es keine Ausnahme. Es sei den Fans im Osten allerdings schwer vermittelbar gewesen, "dass jedes Länderspiel bestimmten Standards in Sachen Sicherheit, Medien, Zuschauerkapazität und Vermarktung unterliegt", gab Moldenhauer zu.

Mit dem mutigen Kraftakt des FC Hansa, das marode, 1954 errichtete Ostseestadion für 35,28 Mill. Euro völlig neu aufzubauen, änderten sich die Voraussetzungen. Bei einem Gastspiel des FC Bayern in Rostock wurde die Länderspiel-Idee geboren. "Rostock hat ein Beispiel gegeben, wie man trotz schwieriger Bedingungen in die Bundesliga kommt und sich dort behauptet, das Umfeld zielstrebig und finanzierbar ausbaut", unterstrich Moldenhauer.

Der FC Hansa, immerhin schon in seinem achten Bundesliga-Jahr, nahm einen langfristigen Kredit über 20,45 Mill. Euro für den Stadion-Neubau auf. Mit 5,11 Mill. Euro beteiligte sich das Land Mecklenburg-Vorpommern, die Stadt Rostock steuerte 4,7 Mill. Euro und einen Erbbaupacht-Vertrag über das Gelände mit einer Laufzeit von 75 Jahren bei. Nach 16-monatiger Bauzeit erlebte das neue Ostseestadion am 4. August 2001 mit der Bundesliga-Partie gegen Bayer 04 Leverkusen schließlich seine sportliche Einweihung.

Moldenhauer wertet das Länderspiel als "wichtiges Signal für die anderen Städte" in den neuen Ländern, die weit mehr Fußball-Tradition aufzuweisen haben als Rostock: Leipzig, Dresden, Magdeburg, Chemnitz, Jena. Diese Clubs, alle mit hochgradig sanierungsbedürftigen Stadien, dümpeln in der Dritt- oder Viertklassigkeit herum und stellen die eigentlich weißen Flecken im deutschen Spitzenfußball dar.

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