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Rostocks „Retter“ Berger zwischen Frust und Zuversicht

Ganze sieben Sekunden fehlten Jörg Berger an einem Traum-Start in seine neue „Mission impossible“. „Das tut natürlich weh“, kommentierte Berger den späten 1:1-Ausgleich von Hertha BSC, den Marcelinho nach 2:53 Minuten der Nachspielzeit mit einem kapitalen Schrägschuss markierte.

dpa BERLIN. Ganze sieben Sekunden fehlten Jörg Berger an einem Traum-Start in seine neue "Mission impossible". "Das tut natürlich weh", kommentierte Berger den späten 1:1-Ausgleich von Hertha BSC, den Marcelinho nach 2:53 Minuten der Nachspielzeit mit einem kapitalen Schrägschuss markierte.

Vier Mal hatte der "Sanierer" in seiner bisherigen Trainer-Karriere einen Bundesliga-Club schon aus einer aussichtslos scheinenden Situation befreit, und auch mit dem FC Hansa hielt er die ersten drei Rettungspunkte fast in der Hand. "Da ist man geschockt", bekannte auch Rostocks Vorstandschef Manfred Wimmer, der für die drei von Schiedsrichter Jörg Keßler verordneten Zusatzminuten überhaupt kein Verständnis zeigte. "Ich habe mindestens schon 10 000 Fußball-Spiele gesehen, diesmal gab es keinen Anlass", wetterte Wimmer.

Lange aufhalten mit Lamentieren oder gar Jammern aber wollte sich beim Tabellen-Schlusslicht niemand. "Ich sehe das Ganze positiver als noch vor drei, vier Tagen", betonte Berger. In der Tat führten seine taktischen und personellen Änderungen eine Woche nach dem 0:6-Debakel gegen den HSV und dem Ende der Ära Juri Schlünz schon zu ersten Anzeichen der Besserung beim schwer kranken Patienten FC Hansa. "Die Handschrift des neuen Trainers in der taktischen Grundausrichtung war schon zu sehen", erkannte Rostocks Clubchef Wimmer, der (zu) lange an Urgestein Schlünz festgehalten hatte.

Dem ersten kleinen Schritt des FC Hansa aus dem ungemütlichen Keller waren zahlreiche Gespräche des neuen Trainers vorausgegangen. "Der Konkurrenzkampf ist neu entfacht. Es gibt ganz neue Regeln, auch außerhalb des Platzes", berichtete der Däne Thomas Rasmussen, der zur Freude der 10 000 Hansa-Fans unter den 43 382 Zuschauern im Olympiastadion einen Schuss von Marcus Lantz zum 1:0 abgefälscht hatte (36.). "Er macht klare Ansagen, steht vor allem für Disziplin", äußerte Ex-Nationalspieler Ronald Maul über den neuen Übungsleiter Berger. "Da passiert bei den Spielern einiges im Kopf", ergänzte der überzeugende Kapitän Mathias Schober.

Der Hansa-Torhüter entschärfte beste Chancen von Fredi Bobic, der erstmals seit drei Spielen wieder in Berlins Startelf stand, Niko Kovac und Nando Rafael. "Wir haben gezeigt, dass wir Fußball spielen können. Der Unterschied: Wir haben nicht nur nach hinten gespielt", bemerkte Schwedens Torjäger Marcus Allbäck, bei Berger wieder erste Wahl. Zwar verdiente sich Hertha den Ausgleich durch nimmermüde Bemühungen, doch selbst Berlins Manager Dieter Hoeneß räumte ein: "Ein Stück tun mir auch die Rostocker Leid."

Weder Berger (60 Jahre) noch sein Kollege Falko Götz (42), einst in der DDR Trainer und Spieler der U 17-Auswahl und später nach der Flucht in den Westen freundschaftlich verbunden, konnten sich am Ende über das Remis freuen. "Wir müssen unsere Torchancen endlich verwerten", kritisierte Götz vor allem seine Abteilung Angriff. Beim gemeinsamen Besuch des ZDF-Sportstudios aber erzählten beide von weit schwierigeren Phasen ihres Lebens. Trotz der "ständigen Schatten" der DDR-Stasi, wie sich Berger erinnerte, fanden beide ihr berufliches Profil. Das des neuen Hansa-Trainers wird oft mit "Feuerwehrmann" oder "Retter" beschrieben - und daran sollen auch die in letzter Minute verlorenen Punkte von Berlin nichts ändern.

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